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Schon einmal musste Bernie Ecclestone in den Saal A101 des Münchner Strafjustizzentrums - damals noch als Zeuge.

Korruptions-Prozess gegen Formel-1-Boss

Bernie Ecclestone: "Nenn' mir eine Zahl!"

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München -  Am Donnerstag beginnt in München der nächste Prozess gegen einen Sport-Manager: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss sich wegen Bestechung verantworten. Es geht um viele Millionen Dollar.

So angenehm wie Bernie Ecclestones erste Begegnung mit der bayerischen Justiz ablief, dürfte es am Donnerstag nicht zugehen. „Herrn Ecclestone werden während der Vernehmung Kaffee, Wasser, Gebäck und Semmeln gereicht“, heißt es im Protokoll des Verhörs, das unserer Zeitung vorliegt. Fast genau drei Jahre ist diese Vernehmung her. Damals musste der mächtige Formel-1-Boss zum ersten Mal seine Glitzerwelt an den Rennstrecken verlassen, um im schmucklosen Zweckbau der Münchner Staatsanwaltschaft vorstellig zu werden. Die Ermittler wollten von ihm wissen, warum er und seine Familienstiftung Bambino knapp 44 Millionen Dollar an den Ex-Landesbankvorstand Gerhard Gribkowsky bezahlt haben.

Seitdem ist viel passiert: Gribkowsky hat nach einem monatelangen Indizien-Prozess doch noch gestanden, dass er sich von Ecclestone und Bambino schmieren ließ, und ist deshalb von Richter Peter Noll zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nun wird auch Ecclestone der Prozess gemacht. Am Donnerstag beginnt im Saal A101 im Münchner Strafjustizzentrum das Verfahren gegen den Rennserienchef. Die Vorwürfe: Bestechung und Anstiftung zur Untreue. Die Tat liegt schon einige Jahre zurück. Im Frühjahr 2005 sollen sich Ecclestone und Gribkowsky einig geworden sein, zusammenzuarbeiten. Der Deal: Gribkowsky sorgt dafür, dass die Formel-1-Anteile der Landesbank an den für Ecclestone genehmen Investor CVC verkauft werden, Ecclestone würde sich dafür finanziell erkenntlich zeigen.

Dass das Geld geflossen ist, streitet Ecclestone nicht ab – dafür gibt es Belege. Doch er behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein. Der habe gedroht, ihn bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen. Dafür habe es zwar keinen Grund gegeben, er habe das Problem aber dennoch mit Geld lösen wollen, sagte Ecclestone bei seiner Zeugenaussage im Gribkowsky-Prozess. „Wenn jemand Sie in ganz freundlicher, liebenswürdiger Weise bedroht, muss man diese Bedrohung aus der Welt schaffen“, sagte er damals. Doch diese Version glaubt die Staatsanwaltschaft nicht.

Der übliche Bestechungstarif? 10 Millionen Dollar

Plausibler klingt Gribkowskys Geständnis. Ecclestone habe versprochen: „I will take care for you.“ („Ich werde für dich sorgen.“) Zunächst bleibt die Absprache vage – bis zum Rennen in Bahrain 2006. Dort fordert Bernie Ecclestone: „Tell me a number!“ („Nenn’ mir eine Zahl!“) Gribkowsky pokert hoch, fordert 50 Millionen Dollar. „Der übliche Tarif in der Formel 1 ist eher so um die 10 Millionen Dollar“, erinnert sich Gribkowsky in seinem Geständnis. Ecclestone will darüber nachdenken, einige Wochen später einigt man sich im Londoner Restaurant „Rib Room“ auf 45 Millionen. Abgewickelt wird das Geschäft über Schein-Beraterverträge und Briefkastenfirmen. Das Geld für die Bestechung holte sich Ecclestone auch noch bei der Landesbank zurück, indem er eine nicht gerechtfertigte Provision in Höhe von 41 Millionen Dollar verlangte. Gribkowsky verhinderte das nicht, deshalb die Anklage wegen Anstiftung zur Untreue.

Zum ersten Mal ist der 83-jährige Ecclestone damit in ernsten juristischen Schwierigkeiten. Im Fall einer Verurteilung droht ihm wie Gribkowsky eine Haftstrafe. Viel ist deshalb spekuliert worden, ob Ecclestone überhaupt zum Prozess kommen wird. Er selbst beteuert in Interviews immer wieder, dass er sich dem Verfahren stellen will. Bei seiner Aussage im Gribkowsky-Prozess hatte er sich noch freies Geleit zusichern lassen, man durfte ihn nach seiner Aussage also nicht verhaften. Doch solche Regelungen gibt es nicht für Angeklagte. Ecclestone ist verpflichtet, an jedem Prozesstag anwesend zu sein – sonst würde das Gericht wohl einen Haftbefehl ausstellen. Für den viel reisenden Ecclestone wäre das ein Problem, dann wäre der Brite nur noch in seiner Heimat vor Verfolgung sicher.

Zwei der besten Verteidiger des Landes

Unwahrscheinlich ist eine Verurteilung Ecclestones nicht. Er steht vor dem selben Richter, der auch Gribkowsky ins Gefängnis schickte. Richter Noll nannte Ecclestone schon in seinem damaligen Urteil die „treibende Kraft“ bei der Bestechung. Ecclestone hat deshalb zwei der besten Wirtschaftsstrafverteidiger des Landes beauftragt. Sven Thomas aus Düsseldorf verteidigte schon Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, der Münchner Anwalt Norbert Scharf verteidigt derzeit unter anderem auch im Landesbankprozess um den Kauf der Hypo Group Alpe Adria.

Die Verteidiger werden vor allem an zwei Punkten ansetzen. Sie wollen argumentieren, dass Gribkowskys Aussage unglaubwürdig ist, weil er damit nur für sich Hafterleichterungen erreichen wollte. Tatsächlich ist der Ex-Banker schon heute Freigänger. Außerdem werden die Anwälte bestreiten, dass Ecclestone wusste, dass es sich bei Gribkowsky als Vorstand einer öffentlich-rechtlichen Bank um einen sogenannten Amtsträger handelt. Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrer Anklage zwar darauf, dass der Formel-1-Boss Gribkowsky wiederholt als „civil servant“ bezeichnet habe, was sich in etwa mit „Beamter“ übersetzen lässt, die BayernLB soll er „state-owned“ (staatlich) und „public“ (öffentlich) genannt haben. Doch der einzige Zeuge dafür ist Gribkowsky. Es wird wohl auch im Fall Ecclestone ein langer Prozess. Bislang sind 26 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird frühstens im Herbst erwartet.

Von Philipp Vetter

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