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Geschäft mit schnellen Autos: Die Formel 1 ist nicht nur beim Monaco-Grand-Prix ein Milliardengeschäft.

Formel 1: Das Milliarden-Karussell dreht sich

München - Wieder wechseln Formel-1-Anteile den Besitzer – dabei ist der letzte Verkauf noch nicht aufgearbeitet. Drei neue Investoren bewerten die Formel 1 mit neun Milliarden Dollar. Hat die Bayerische Landesbank zu billig verkauft?

Schon lange waberten die Gerüchte nicht nur durch die Boxengassen: Der Mehrheitseigentümer der Formel 1, der Finanzinvestor CVC Capital Partners, wolle seine Anteile zu Geld machen und die Rennserie an die Börse bringen, hieß es. Jetzt hat Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bestätigt, dass ab Ende Juni Formel-1-Aktien gehandelt werden sollen. Doch CVC wartete nicht so lange, sondern sorgte für Tatsachen. Am Dienstag teilte das Unternehmen mit, dass es gut 21 Prozent der Rennserie verkauft habe – an andere Finanzinvestoren.

Die Käufer Waddell & Reed, Blackrock und Norges Bank zahlten rund 1,6 Milliarden Dollar. Alles in allem gestanden die Manager der gesamten Rennserie damit einen Wert von gut neun Milliarden Dollar zu. Damit ist der Wert der Formel 1 in den vergangenen Jahren zumindest auf dem Papier geradezu explodiert. Denn noch vor sechs Jahren, als CVC der Bayerischen Landesbank deren Formel-1-Anteile abkaufte, zahlte der Investor dafür nur 840 Millionen Dollar. Damit bewertete CVC die komplette Rennserie nur mit etwa 1,7 Milliarden Dollar – gut ein Sechstel des Wertes, den die neuen Miteigentümer nun zahlten.

Nun könnte man den Managern bei CVC zu ihrem Geschäft gratulieren, schließlich verdienen Investoren genau so Geld: Billig kaufen und wenig später wieder teurer verkaufen. Doch der Verdacht liegt nahe, dass beim Kauf der Anteile von der BayernLB nicht alles mit rechten Dingen zuging. „Das hatte einen richtig schmutzigen Hintergrund“, sagt einer, der damals dabei war. Das Landgericht München versucht derzeit, diesen Hintergrund auszuleuchten. Der ehemalige Vorstand der Landesbank, Gerhard Gribkowsky, muss sich wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verantworten. Er hatte beim Verkauf der Formel-1-Anteile 44 Millionen Dollar von Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino erhalten. Sollten die Richter Gribkowsky verurteilen, könnte das gravierende Folgen für CVC, Ecclestone und Bambino haben.

Denn neben dem Strafprozess läuft in London auch noch eine Zivilklage der Münchner Constantin Medien AG gegen Ecclestone, CVC, Bambino und Gribkowsky. Constantin gehört zu großen Teilen dem Umfeld des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch und ist Nachfolger von EM.TV, der vor der Kirch-Pleite ein Teil der Formel 1 gehörte. Dieser Anteil fiel bei der Kirch-Insolvenz an die BayernLB, allerdings wurde vereinbart, dass Constantin beteiligt würde, sollte die Landesbank bei einem Weiterverkauf mehr als eine Milliarde Dollar einnehmen. Doch CVC zahlte weniger und Constantin ging leer aus.

In der Schadenersatzklage argumentiert Constantin, dass Gribkowsky bestochen wurde, damit er zu billig verkauft – in Wahrheit sei die Formel 1 deutlich mehr wert gewesen. Zwar soll ein Gutachten für die BayernLB ergeben haben, dass nicht unter Wert verkauft wurde, doch die Details der Untersuchung hält die Bank unter Verschluss. Dass die neuen Käufer wenige Jahre nach dem Verkauf durch die BayernLB bereit sind, das Sechsfache zu bezahlen, dürfte Wasser auf die Mühlen von Constantin sein. Weder Constantin noch die BayernLB wollen den erneuten Verkauf kommentieren.

Bislang fordert Constantin rund 171 Millionen Dollar. Diese Summe könnte sich nun erhöhen, denn Grundlage war ein angenommener Wert der Formel 1 von mindestens 2,8 Milliarden Dollar. Würde das Londoner Gericht zu dem Ergebnis kommen, dass die Rennserie bereits damals ähnlich viel wert war wie heute, würde sich wohl auch die Constantin-Forderung erhöhen.

Die Rahmenbedingungen waren vergleichbar. Die Zukunft der Rennserie ist erneut nicht gesichert, weil sich die Rennteams bislang nicht verpflichtet haben, in der Formel 1 zu bleiben, ein Nachfolger für den 81-jährigen Ecclestone ist ebenfalls noch nicht in Sicht. Er selbst hält sich für unverzichtbar: „Ich würde niemand anderem meinen Posten geben, weil niemand den Job so machen würde wie ich“, sagte Ecclestone dem „Daily Telegraph“. „Da hätte man auch Frank Sinatra fragen können, wen er als seinen Ersatz vorschlagen würde – jemand anders kann auch singen, aber wie Sinatra? Nein."

Philipp Vetter

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