Formel 1 ohne Tölzer undenkbar

- Bad Tölz - Wenn in einer Woche die Formel 1-Piloten um den Parcours von Silverstone jagen, haben sie ein Stückchen Oberbayern mit an Bord: Auspuffanlagen aus Bad Tölz. Im Motorrennsport entscheiden Sekundenbruchteile, bei diesen High-Tech-Produkten eine Fertigungsgenauigkeit von Millimeter-Bruchteilen. Mit einer ausgeklügelte Schweißtechnik hält die Rochhausen Metalltechnik da leicht mit.

<P>Seit 1970 hat sich das Familienunternehmen der Motorentechnik verschrieben. Im Jahr 1962 gründete Werner Rochhausen seinen kleinen Karosseriespenglerbetrieb in der oberbayerischen Kurstadt. Den entscheidenden Impuls erhielt er im Jahr 1975. Ein spleeniger amerikanischer Offizier aus der Flintkaserne in Bad Tölz baute in seiner Freizeit in einem alten Schuppen Rennautos. "Dazu benötigte er einen Spezialisten für Aluminiumschweißtechnik", erzählt der heutige Seniorchef. Seit damals lebt die Firma in einer Ehe mit dem Automobilrennsport. BMW-Motorsport, Alpina in Buchloe, Schnitzer in Freilassing - alles bekannte Namen, für die Rochhausen hoch spezialisierte Arbeit abgeliefert hat.<BR><BR>Renntermine diktieren die Arbeitsabläufe</P><P>Wie in jeder Ehe gab's aber auch Höhen und Tiefen, doch die Dreifachausbildung des heute 67-jährigen Schlossers, Kfz-Mechanikers und Karosseriebauers trug immer wieder neue Früchte.<BR>Als der erste Großvertrag mit der Toyota-Rennsportabteilung unter Dach und Fach war, diktierten Renntermine die Arbeitsabläufe. Werksvorgaben für neue Auspuffrohe mussten in Windeseile umgesetzt werden. Doch nach zehn Jahren war plötzlich Schluss. Der mehr und mehr zum Alleinauftraggeber mutierte Toyota-Konzern beendete abrupt sein Rennsportengagement.</P><P><BR>Die folgende Unternehmenskrise barg aber auch neue Chancen. 1994 stieg Sohn Wolfgang in das väterliche Unternehmen ein. Sein Studium als Diplom-Ingenieur der Produktionstechnik ermöglichte die Einführung von CAD und rationeller Einzelteil-Vorfertigung. Der Sprung vom Handwerks- zum Teilfertigungsbetrieb wurde vollzogen.<BR><BR>Die Betriebsfläche wurde von 400 auf 600 Quadratmeter erweitert, und die Belegschaft wuchs von vier auf zwölf Fachkräfte an. Aufwändige Musterbauten gehören nun der Vergangenheit an, die Entwicklung geschieht zu 100 Prozent auf reiner EDV-Basis.<BR><BR>Der gute Name der Rochhausen-Metalltechnik basiert auf strikter Termineinhaltung, absoluter Materialzuverlässigkeit und Ideeninnovation. In allen Sparten des Rennsports (Formel 1 und 3, Rallye und Deutsche Tourenwagenmeisterschaft) zählen namhafte Marken zu den Kunden. "Geht nicht, gibt's nicht" - der bei Mitarbeitern berüchtigte Spruch ist bei Rochhausen Realität. So mancher freie Samstag muss geopfert werden. "Auch Ostern haben wir schon mal durchgearbeitet", erzählt Werner Rochhausen. Sohn Wolfgang jettet derweil zu Geschäftspartnern - vornehmlich in England, Frankreich und Italien, neuerdings auch in Tschechien.<BR><BR>Volle Auftragsbücher alleine garantieren noch keinen dauerhaften Erfolg, der muss stets neu erkämpft werden. Tochter Barbara und Ehefrau Annelis kümmern sich ums Kaufmännische, während Vater und Sohn wieder gemeinsam über einem Konstruktionsproblem brüten.<BR><BR>Der Trend geht zu immer kompakteren Automobilen und höherer Leistung. Das erfordert stets intensive Vorplanung, und es spricht für das kleine Unternehmen, hier seit Jahrzehnten erstklassige Arbeit abgeliefert zu haben.<BR></P>

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