Formel-1-Panne für Landesbank? Autobauer machen das Rennen

- München - Noch dreht die Formel 1 ihre Runden. Für 2008 planen Rennställe und Autokonzerne aber den Start einer eigenen Rennserie. Alle Kontakte zu Rennserien-Chef Bernie Ecclestone sind abgebrochen. Den Banken als Miteignern der Formel 1 - unter anderem die Bayerische Landesbank - droht eine massive Wertberichtigung.

<P>Die in der Formel 1 engagierten Automobilkonzerne arbeiten nach einem fundamentalen Zerwürfnis mit dem Erfinder des Rennsportzirkus, Bernie Ecclestone, jetzt konkret am Aufbau einer eigenen Rennserie. "Wir bereiten das für 2008 vor", sagte BMW-Vorstand Burkhard Göschel. Zu den Eignern der Formel-1-Dachgesellschaft gebe es keine Kontakte mehr, seit eine mit ihnen zur Rettung der bestehenden Rennsportserie geschlossene Absichtserklärung vor drei Monaten gekündigt wurde.<BR><BR>Diese Eigner sind neben dem 73-jährigen Ecclestone die Bayerische Landesbank sowie die US-Institute JP Morgan und Lehman Brothers, denen nach dem Kollaps der Kirch-Gruppe als Pfand die Dreiviertelmehrheit der Slec zugefallen ist. Die Kontrolle über die Formel 1 hat gesellschaftsrechtlich der Brite, obwohl er nur Minderheitsgesellschafter ist. Vor einem Londoner Gericht versuchen die Banken deshalb, sich die Macht über die Formel 1 zu erstreiten. Für sie ist das wichtig, weil die Institute zur Finanzierung der Slec-Anteile seinerzeit insgesamt 1,6 Milliarden Dollar an Pleitier Leo Kirch verliehen haben und ihr Pfandrecht ab 2008 wertlos würde, wenn die Formel 1 erlischt. Allein die Bayern LB hat gut eine Milliarde Dollar verliehen und diese Summe nach zur Verfügung stehenden Informationen nur teilweise wertberichtigt.<BR><BR>Vor zwei Jahren hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht von den Bayern verlangt, dieses Engagement auf 650 Millionen Euro abzuschreiben. Ob das halbstaatliche Institut darauf eine weitere Risikovorsorge gebildet hat, ist unbekannt. Auskünfte lehnen die Münchner ab.<BR><BR>Bei der Grand Prix World Championships (GPWC), in der die Autobauer BMW, Daimler-Chrysler, Ferrari, Ford und Renault organisiert sind, glaubt man nicht an eine Rettung der Formel 1. "Wir bauen auf die neue Rennserie ab 2008", sagte ein GPWC-Sprecher. Ecclestone sei zu einem Einlenken bis zuletzt nicht bereit gewesen. Letzte eher theoretische Chance ist nach Ansicht von Insidern der Prozess der Banken gegen Ecclestone. Auch das kommentiert die Bayern LB nicht.<BR><BR>Göschel machte klar, dass mit der eigenen Rennsportserie diesmal nicht nur gedroht wird. "Wir haben die komplette Grundstruktur", sagte er. Die Teams hätten sich auch über die Gewinnverteilung geeinigt und alle Vereinbarungen unterzeichnet. Noch wären die Arbeiten zwar nicht beendet. Drei Jahre Vorlauf bis 2008 seien aber ausreichend.<BR><BR>Hintergrund des Bruchs zwischen Ecclestone sowie Banken und GPWC ist die Gewinnverteilung in der Formel 1. Die Rennställe beanspruchen die Hälfte. Bislang streicht Ecclestone aber schätzungsweise drei Viertel der Gewinne ein. Zum Jahreswechsel hatte der Brite erst per Handschlag und dann in einer rechtlich unverbindlichen Absichtserklärung zugestimmt, den Anteil der Rennteams zu verdoppeln und ihnen mehr Mitsprache einzuräumen. Eingelöst hat er seine Versprechen nicht.</P>

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