Forschung in 18 000 Metern Höhe: Vorsprung leichtfertig aufgeben

- Mindelheim - Die Fläche der Flügel ist groß wie ein Einfamilienhaus. Der Rumpf ist 24 Meter lang. Doch sollte das Flugzeug nur zwei Personen tragen, Forscher - in bis dahin unerreichte Höhen. Jetzt steht die Strato 2 für immer am Boden - ein Mahnmal deutscher Politik. Zehn Jahre, nachdem Bonn das Aus für das Projekt aus Bayern verkündete, rühmt sich die - inzwischen ausgewechselte - Bundesregierung eines ähnlichen Projekts - mit Technologie aus den USA.

<P>67 Millionen Euro hat die Regierung nun für den Kauf und den Umbau eines amerikanischen Gulfstream V Business-Jet bereitgestellt, aus dem in Oberpfaffenhofen ein Höhenforschungsflugzeug gemacht wird. Dies soll ab 2008 in 15,5 Kilometern Höhe bei einer Reichweite von rund 8000 Kilometern zur Atmosphären- und Klimaforschung eingesetzt werden.<BR><BR>"Ein Höhenflugzeug von der Stange", kritisiert der viel beachtete Informationsdienst "Flugpost", "das sehr viel teurer wird als die Strato 2 und doch weniger leistet." In der Tat: Für 70 Millionen Mark - hat der Mindelheimer Flugzeugbauer Grob im Regierungsauftrag die Strato 2 entwickelt, die bereits bei Erprobungsflügen mehr konnte. So erreichte die von zwei Kolbenmotoren mit je 400 PS angetriebene Strato 18 477 Meter Höhe. Und konnte in 50 Stunden ohne Zwischenlandung die halbe Erde umrunden.<BR><BR>Lediglich bei der Zuladung lag das extrem leichte Mindelheimer Gerät mit 1000 Kilo unter den drei Tonnen der neuen Gulfstream. Durch Abstriche bei der Reichweite hätte man das ausgleichen könne. Denn beim Start hatte die Kohlefaser-Konstruktion 5,7 Tonnen Sprit im Tank.<BR><BR>"Von einer Leistung, die es nicht noch einmal gab", schwärmt Volkert Harbers, damals wie heute beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Höhenforschungsflugzeug befasst. "Wenn Strato fertig gemacht worden wäre, würde man heute nicht um dieses Projekt kämpfen."<BR><BR>Damals registrierten die deutschen Forscher und Entwickler reges Interesse aus den USA. Denn dort hatte man Angst, ins Hintertreffen zu geraten. Grund zu solcher Sorge gab es aber nicht. Wegen Einladungen an den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl, die diesen am Ende sein Amt kosteten, war Burkhart Grob, Chef der gleichnamigen Maschinenbaugruppe und seiner Flugzeugfabrik plötzlich bei der deutschen Politik in Ungnade gefallen. Selbst Forschungsgelder, die bereits die parlamentarischen Hürden genommen hatten, wurden aus zum Teil fadenscheinigen Gründen von Helmut Kohls damaligen Forschungsminister Jürgen Rüttgers einkassiert. Darunter auch rund 35 Millionen Mark die nötig gewesen wären, um Strato 2 zu Ende zu entwickeln.<BR><BR>Bei Grob in Mindelheim will man die Vergangenheit hinter sich lassen und zu diesem Thema nichts mehr sagen. Immerhin habe man neue Geschäftsfelder gefunden: Trainigsflugzeuge und mit dem "Ranger" ein hochgelobtes siebensitziges Geschäftsflugzeug. Doch es wird durchaus spürbar, dass man bei Grob über den Kleingeist Mitte der 90er- Jahre immer noch die Köpfe schüttelt.<BR><BR>Auch die heutige rot-grüne Regierung Schröder nutzt die Munition, die sie gegen die jetzige Opposition in der Hand hätte, nicht. Stattdessen lobt man die US-Technik die "die Leistungsfähigkeit aller bisher operierenden Forschungsflugzeuge weltweit" übertreffe. So steht bei Grob die mittlerweile flugunfähige Strato 2 ein trotziges Zeichen dafür, dass man es damals in Bayern schon besser gekonnt hätte, aber nicht durfte. Sie ist nun weltweit zu kaufen. In einem Zusatzprogramm für den weit verbreiteten Microsoft-Flugsimulator in dem mehrere kleiner bayerische Flugplätze dargestellt werden, steht am virtuellen Flugplatz Mindelheim-Mattsies als besondere Attraktion die Strato 2 - ein virtuelles Mahnmal für eine leichtfertig vergebene Chance.</P>

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