Fortis dementiert Liquiditätsprobleme

Brüssel - Der starke Kursverfall beim belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis hat die Bankspitze und Belgiens Regierung auf den Plan gerufen.

Bankchef Herman Verwilst widersprach am Freitag in Brüssel Gerüchten über Probleme mit der Liquidität seines Instituts, will aber mehr Geschäftsteile verkaufen als bisher geplant. Premierminister Yves Leterme rief Anleger und Sparer zur Gelassenheit auf. Die Regierung werde die belgischen Sparer nicht im Regen stehen lassen, versicherte Leterme.

Fortis-Chef Verwilst sprach von einer soliden finanziellen Situation der Bank. Es sei keine Kapitalerhöhung geplant, teilte das Institut mit. Es sollten aber weitere Aktivitäten abgestoßen werden, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Die Entwicklung des Aktienkurses in den vergangenen Tagen spiegele vor allem große Nervosität an den Märkten wider, sagte der Spitzenmanager.

Die Aktie war am Freitag zwischenzeitlich auf 5,50 Euro gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren. Am frühen Nachmittag notierte sie mit einem Abschlag von 11,6 Prozent bei 5,77 Euro. Gemeinsam mit der zuständigen Aufsichtsbehörde und der Nationalbank verfolge die Regierung die Entwicklung bei Fortis genau, versicherten Premierminister Leterme und Finanzminister Didier Reynders. Auf Fragen zu einer befürchteten Insolvenz gingen sie nicht ein.

Dem Konzern stehen nach eigenen Angaben derzeit rund 300 Milliarden Euro zur Refinanzierung zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es weitere Sicherheiten. Die Bonität liege deutlich über dem regulatorischen Minimum. Weiteren Kapitalbedarf gebe es erst in den nächsten 12 bis 18 Monaten, wenn der Großteil der übernommenen Aktivitäten von ABN Amro integriert werde.

Fortis kündigte zugleich an, Aktivitäten innerhalb und außerhalb Belgiens verkaufen zu wollen, die auf einen Wert zwischen fünf und zehn Milliarden Euro geschätzt würden. Um welche Geschäftsteile es gehe, teilte Fortis aus Rücksicht auf laufende Verhandlungen nicht mit. Für alle Bereiche, die für einen Verkauf in Frage kämen, gebe es bereits potenzielle Interessenten und Vereinbarungen.

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