Fotopionier AgfaPhoto vor dem Aus

- Leverkusen/Peiting - Der AgfaPhoto GmbH droht nur sieben Monate nach ihrem Start als selbstständiger Bildspezialist das Aus: Das Kölner Amtsgericht eröffnete das vorläufige Insolvenzverfahren und bestellte den Kölner Experten Andreas Ringstmeier als vorläufigen Insolvenzverwalter, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Erst kurz zuvor war die überraschende Pleite des Unternehmens mit bundesweit mehr als 1800 Beschäftigten bekannt geworden.

<P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Ein Unternehmenssprecher sagte, die negative Entwicklung der AgfaPhoto GmbH mit Fotopapier, Fotochemikalien und Laborgeräten sei so zunächst nicht absehbar gewesen. Die gut 1800 Beschäftigten - davon rund 200 Stellen in Peiting (Kreis Weilheim-Schongau) und 300 in München - hätten eine erste Information der Geschäftsführung am Donnerstagabend per Intranet erhalten. Doch möglicherweise wissen viele Angestellte noch gar nichts von der Hiobs-Botschaft, schließlich war am vergangenen Donnerstag Feiertag und am Brückentag, am gestrigen Freitag, wurde bei Agfa in Peiting beispielsweise nicht gearbeitet. "Dieses Geschäftsgebaren ist auf das Massivste zu verurteilen", ärgerte sich Peitings Bürgermeister Michael Asam. "Mit den Dingen so lange hinterm Berg zu halten, obwohl sich die Insolvenz wohl schon seit einigen Wochen abgezeichnet haben muss", sei ein sehr unguter Umgang mit den Mitarbeitern. Peitings Rathaus-Chef war schockiert über das Insolvenzverfahren.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Schließlich blickt das Unternehmen auf eine 130-jährige Geschichte zurück und gilt als deutscher Fotopionier. In Deutschland sind gut 800 Mitarbeiter am Firmensitz in Leverkusen beschäftigt, wo Fotopapier hergestellt wird. Produziert wird zudem in Vaihingen an der Enz bei Stuttgart (80 Mitarbeiter) und im rheinland-pfälzischen Windhagen (260). In der gesamten Unternehmensgruppe sind nach eigenen Angaben mehr als 2400 Mitarbeiter tätig. Die Gruppe zählt mit einem Jahresumsatz von 700 Millionen Euro (2004) zu den weltweit führenden Anbietern.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Der Betriebsratsvorsitzende Josef Hoke will nun retten, was noch zu retten ist. Derzeit stehe die Zukunft des Peitinger Standortes jedoch "völlig in den Sternen". Der Peitinger Geschäftsführer Hans-Peter Hauser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Peitinger Angestellten hatten bereits im Vorfeld versucht, mit Kurzarbeit und Lohnverzicht der angeschlagenen Fotosparte zu helfen. Vergeblich.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Im ersten Halbjahr 2004, als die Foto-Stammsparte noch zum belgischen Agfa-Gevaert-Konzern gehörte, war diese tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Spartenumsatz war angesichts des Digitalbooms und wegen Preisverfalls um fast 18 Prozent auf 363 Millionen Euro gesunken. Der Agfa-Gevaert-Konzern hatte am 1. November den Bereich Filme und Fotopapier sowie Laborgeräte für 175,5 Millionen Euro an eine Gruppe deutscher und amerikanischer Investoren verkauft. Daraus ging dann die AgfaPhoto GmbH hervor.</P>

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