Seenot im Nordmeer

Frachter mit 350 Tonnen Schweröl an Bord vor Norwegen gesichert - Umweltkatastrophe abgewendet

  • vonJonas Raab
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Das niederländische Frachtschiff „Eemslift Hendrika“ trieb herrenlos durchs Nordmeer. Vor Norwegen drohte eine Umweltkatastrophe. Jetzt gibt es Entwarnung.

Update vom 8. April, 13.25 Uhr: Um eine Ölverschmutzung abzuwenden, mobilisierte die norwegische Küstenverwaltung alle Kräfte. Jetzt befindet sich der in Seenot geratene Frachter „Eemslift Hendrika“ auf Kurs in Richtung Küste. Einer Bergungsmannschaft sei es in der Nacht gelungen an Bord des Frachtschiffs zu gelangen und zu sichern. Es wird nun in den Hafen der norwegischen Stadt Ålesund geschleppt, teilt die norwegische Küstenverwaltung mit.

Zuvor war angesichts des schlechten Wetters befürchtet worden, dass das Schiff der niederländischen Reederei Amasus Shipping mit 350 Tonnen Schweröl und 50 Tonnen Diesel an Bord im Laufe von Stunden auf Land driften und sensible Naturgebiete in der Gegend verschmutzen könnte. 

Frachter „Eemslift Hendrika“ verlassen und herrenlos im Nordmeer: Einsatzkräfte sicherten das Frachtschiff in der Nacht auf Donnerstag.

Frachter vor Norwegen: 350 Tonnen Öl treiben herrenlos im Meer - Droht jetzt eine Umweltkatastrophe?

Erstmeldung vom 7. April, 10.24 Uhr - Vor der Küste Norwegens treibt seit Tagen ein Frachtschiff – herrenlos, ohne Antrieb, bei 15 Meter hohen Wellen, mit heftiger Schlagseite und mit rund 350 Tonnen Schweröl und 50 Tonnen Diesel an Bord. Weil die in Seenot geratene „Eemslift Hendrika“ Gefahr läuft zu kentern, schlug die norwegische Küstenverwaltungsbehörde am gestrigen Dienstag Alarm: Man befürchtet eine Umweltkatastrophe.

Das niederländische Frachtschiff hatte am Ostermontag bei schlechtem Wetter, heftigem Wind und massivem Wellengang Schlagseite bekommen, weil sich Teile der Fracht verschoben hatten. Rund 111 Kilometer westlich von Ålesund setzte die zwölfköpfige Besatzung, die von Bremerhaven nach Kolvereid in Norwegen unterwegs war, deshalb ein Notsignal ab.

Der niederländische Frachter „Eemslift Hendrika“ ist am Ostermontag vor Norwegen in Seenot geraten.

Herrenloser Frachter vor Norwegen: Vier Besatzungsmitglieder sprangen ins Meer

Die Besatzungsmitglieder wurden per Hubschrauber von Bord des 112 Meter langen Frachters geholt. Vier Crewmitglieder retteten sich laut Nachrichtenagentur AFP dabei ins Meer, weil die Wellen das Schiff stark zum Schaukeln brachten. Ein Video der Rettungskräfte zeigt die dramatischen Szenen der Bergung aus dem Europäischen Nordmeer. Der schwer beladene und herrenlose Frachter lief laut Küstenverwaltung am Montag zunächst im Autopilot-Modus. Am späten Montagabend fiel der Motor der „Eemslift Hendrika“ aus. Seitdem treibt der Frachter aus den Niederlanden heftig schaukelnd vor Norwegens Westküste – und verliert bereits Fracht.

Erste Hubschrauberaufnahmen hatten ein grünes Boot in der Deckmitte des herrenlosen Frachters gezeigt. Mittlerweile traf ein Küstenwachenschiff bei der „Eemslift Hendrika“ ein. Die Behörden meldeten, dass das Arbeitsboot vom heftig schaukelnden Frachtschiff verschwunden sei. Nach Angaben der norwegischen Zeitung Verdens Gang hatte das Boot einen Wert von rund 6,6 Millionen Euro.

Frachter vor Norwegen: Umweltkatastrophe droht - erste Fracht schon über Bord

Die Küstenwache versuchte, den schwer beladenen Frachter zu stabilisieren, damit er nicht sinkt und kein Öl ins Meer gelangt. Am Dienstagmorgen trieb die „Eemslift Hendrika“ rund 130 Kilometer nordwestlich vor der Hafenstadt Alesund. Bei der derzeitigen Windgeschwindigkeit dürfte es die Küste in etwa anderthalb Tagen erreichen, schätzt die norwegische Küstenverwaltung.

Das ins Wasser gerutschte Arbeitsboot habe die Schlagseite der „Eemslift Hendrika“ verringert, teilten die Behörden mit. „Die Lage scheint stabiler zu sein, aber es besteht immer noch die Gefahr, dass es kentern könnte“, sagte Hans-Petter Mortensholm von der norwegischen Küstenverwaltung. Man wolle jemanden an Bord schicken, um einen Abschleppvorgang zu organisieren, sobald es die Wetterbedingungen erlauben, so Mortensholm weiter.

Rubriklistenbild: © KV Bergen

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