Frage der Psychologie: Trotz gutem Auftakt kein Kaufrausch in Sicht

- München - In Deutschland wird heftig gespart, die Sparquote liegt bei über 10 Prozent. Auch wenn das erste Adventswochenende ein Mehrgeschäft gebracht hat, rechnet der Handel nicht mit einem beginnenden Kaufrausch. "Die Deutschen werden ihre Weihnachtsausgaben auch dieses Jahr reduzieren", sagte Helmut Linnenbrink, Präsident des Handelsverbandes BAG Bayern. Auch ein gutes Weihnachtsgeschäft 2005 wird seiner Einschätzung nach das vierten Jahr mit einem Umsatzverlust nicht verhindern können.

Es gibt viele Gründe für die Zurückhaltung beim Konsum: Vielen Arbeitnehmern wurde das Weihnachtsgeld gekürzt oder ganz gestrichen, Energie- und Spritpreise sind massiv gestiegen; dazu komme die Sorge um den Arbeitsplatz und die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft der sozialen Systeme. "Das psychologische Element ist ganz wichtig, im Grund ist Deutschland seit Mai nicht mehr regiert worden", sagte Linnenbrink.

Nach Schätzung des Verbandes wird sich der Umsatz im deutschen Einzelhandel für 2005 auf nominal 363 Milliarden Euro belaufen. Damit werde der Umsatz mit minus 0,5 wieder schrumpfen, im Vorjahr waren es minus 1,6 Prozent. Der bayerische Einzelhandel werde mit 64,6 Milliarden Euro ein leichtes Minus von 0,3 Prozent nach minus 1,4 Prozent 2004 erwirtschaften.

Der Handelsverband geht davon aus, dass auch in Bayern das Ladenschlussgesetz zügig liberalisiert wird: "Wir können uns eine Freigabe der Öffnungszeiten an Werktagen gut vorstellen." An Feier- und Sonntagen - bis auf die vier jetzt schon verkaufsoffenen Sonntage im Jahr - sollten die Geschäfte dagegen weiter geschlossen bleiben. In anderen Bundesländern vertrete der Handelsverband BAG durchaus andere Meinungen zur sonntäglichen Ladenöffnung.

Für eine Freigabe der Sonntage während der Fußballweltmeisterschaft in ganz Bayern habe sich der Verband massiv sowohl bei der Staatsregierung als auch bei den Kirchen eingesetzt. "Bisher leider ohne Erfolg", sagte Linnenbrink. Noch sei geplant, dass nur in den Städten, in denen gerade gespielt wird, die Läden öffnen dürfen.

Ein "ganz schweres Kapitel" sei auch die Mehrwertsteuererhöhung, die 2007 kommen soll. "Von einer durch die Steuererhöhung finanzierten deutlichen Senkung der Sozialversicherungsbeiträge ist keine Rede mehr", monierte Linnenbrink. Die Zurückhaltung der Verbraucher sei schon jetzt sehr groß und werde weiter zunehmen. Wenn weniger konsumiert wird, gehe das zu Lasten der ohnehin schon geringen Inlandsnachfrage und belaste somit die Konjunktur zusätzlich.

Der Einzelhandel sei angesicht des heftigen Wettbewerbs nicht in der Lage, die Mehrwertsteuererhöhung über die Preise weiterzugeben. Bei Renditen von 0,5 Prozent bedeute dies, dass es wieder zu Lasten von Arbeitsplätzen und insolventen Unternehmen gehen werde.

Immerhin ist für den bayerischen Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft am ersten Adventswochenende gut gestartet. Das kalte, trockene Winterwetter und die Weihnachtsmärkte hätten viele Menschen in die Städte gelockt. Besonders in München, Nürnberg und Augsburg herrschte dichtes Gedränge in den Fußgängerzonen.

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