Ausbildung

So klappt der Berufseinstieg

Eine ungewohnte Umgebung, neue Kollegen und ein ganz neuer Lebensabschnitt: Für viele Schulabgänger beginnt im September das Ausbildungsjahr und damit das Berufsleben. Wir klären die wichtigsten Fragen.

- Was ist Auszubildenden für die ersten Tage zu raten?

Zunächst einmal: Ruhe bewahren. Der Start in den Beruf ist aufregend und eine gewisse Nervosität ganz normal. „Ein ganzer Arbeitstag ist etwas anderes als ein Schultag“, betont Hubert Schöffmann , Leiter des Referats Berufsausbildung bei der IHK für München und Oberbayern. Ein leichter Praxisschock am Anfang ist daher keine Seltenheit, ergänzt Ausbildungsexperte Thilo Pahl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Nach Möglichkeit sollten die Jugendlichen einen „guten Mittelweg“ finden zwischen einem wachen und aktiven Interesse und einer gewissen Bescheidenheit, empfiehlt Pahl. So sei es im Interesse einer raschen Integration in die Arbeitsabläufe einerseits dringend zu empfehlen, Fragen zu stellen oder die Namen der Kollegen rasch kennenzulernen, aber nicht bei jeder Gelegenheit den Besserwisser raushängen zu lassen. „Gemeinsam in die Kantine zu gehen, kann ein guter erster Schritt sein“, meint Pahl.

-Bei wem müssen sich die Neuen zu Beginn melden?

Die Azubis werden erwartet, es muss niemand allein mit Herzklopfen in der großen unbekannten Firma stehen. „In der Regel gibt es einen Einführungstag für alle Azubis“, erklärt Hubert Schöffmann. Datum und Uhrzeit werden mitgeteilt. Wer sich unsicher ist, sollte ein paar Tage vorher nochmal zum Telefon greifen und in der Personalabteilung nachfragen.

- Was sind die offensichtlichsten Fettnäpfchen?

Ein grober Patzer ist die falsche Kleidung. „Wer zum Beispiel in einer Bank arbeitet, muss schon sehr auf sein Outfit achten“, gibt Pahl zu bedenken und empfiehlt, sich etwa beim Vorstellungsgespräch schon einmal einen Eindruck von den Gepflogenheiten vor Ort zu machen. „Etwas korrekter aufzutreten ist sicherlich in den ersten Tagen der richtige Weg.“ Darüber hinaus sollte man tunlichst vermeiden, den Chef oder Kollegen kurzerhand zu duzen. „Hier ist es ratsam, erst einmal auf ein entsprechendes Angebot zu warten“, sagt Pahl.

-Wo erfahren Lehrlinge, ob es Zuschüsse für Kleidung oder öffentliche Verkehrsmittel gibt?

In vielen Firmen wird die Arbeitskleidung gestellt. Die Blaumänner oder Arbeitsmäntel werden in der Regel am ersten Tag ausgehändigt. Jugendliche, die etwa eine Banklehre beginnen, müssen sich ihre Kleidung selbst kaufen. „Zuschüsse sind hier eine absolute Ausnahme“, sagt Schöffmann. Allerdings geben manche Betriebe für Fahrtkosten etwas dazu. Über soziale Leistungen informiert in der Regel die Personalabteilung.

-Was ist zu raten, wenn es zu Problemen kommt?

Erster Ansprechpartner sollte der Ausbilder sein. „Er ist so etwas wie ein Mentor und weiß über die Situation der jungen Kollegen am besten Bescheid“, findet Pahl. Ein weiterer Ansprechpartner im Unternehmen ist der Betriebsrat beziehungsweise die Jugend- und Auszubildendenvertretung. Sollten Probleme über einen längeren Zeitraum andauern und auch nicht im Betrieb zu lösen sein, gibt es Ansprechpartner bei den Industrie- und Handwerkskammern, die den gesetzlichen Auftrag haben, die Ausbildung zu überwachen und im Ernstfall zu schlichten. Auch die Gewerkschaften bieten jungen Mitarbeitern ihre Hilfe an.

-Was ist zu tun, wenn einem Auszubildenden partout nicht das vermittelt wird, was im Lehrplan vorgesehen ist?

Das darf nach Ansicht Pahls nicht sein. „Wenn man über einen längeren Zeitraum beispielsweise immer wieder nur Hilfsarbeiten machen muss, dann sollte man sich schon bemerkbar machen“, rät er.

-Wenn sich zeigt, dass der Beruf doch nichts ist oder die Chemie zwischen den Arbeitskollegen oder dem Chef einfach nicht stimmt, wann und wie kommen Azubis aus ihren Verträgen?

„Bis sie 18 Jahre alt sind, geht ohne die Unterschrift der Eltern gar nichts“, sagt IHK-Berufsausbildungsexperte Schöffmann. Ein 17-Jähriger, der seinen Vertrag kündigen möchte, muss das also erst mal zuhause klären. In der Probezeit ist eine Kündigung sofort möglich, anschließend gilt eine vierwöchige Frist. Allerdings nur wenn die Berufsausbildung an sich aufgegeben wird oder ein Berufswechsel stattfindet, erklärt Schöffmann. „Einen Betriebswechsel hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen.“ Will ein angehender Kfz-Mechatroniker aus welchen Gründen auch immer nur die Werkstatt wechseln, muss das individuell geregelt werden.

-Wann darf das Thema Urlaub angesprochen werden?

„Erst nach der Probezeit“, rät Schöffmann. Also frühestens vier Monate nach dem Start in die Lehre. Und auch dann sollte es – Ausnahmefälle ausgenommen – nur um ein paar Tage gehen. Jeder Azubi hat aber das Recht auf Urlaub, das ist entweder tariflich geregelt oder über des Bundesurlaubs- und das Jugendarbeitsschutzgesetz. Gilt letzteres, stehen unter 16-Jährigen 30 Werktage (dazu zählt auch der Samstag) zu, unter 17-Jährigen 27 und unter 18-Jährigen 25.

-Wie muss sich ein Azubi verhalten, wenn er krank ist oder etwa verschlafen hat?

„Er muss sich in jedem Fall umgehend telefonisch melden“, sagt Schöffmann. Am Einführungstag werden den Azubis diesbezügliche Regeln und Ansprechpartner genannt.

-Der Besuch der Berufsschule gehört fest zur dualen Ausbildung. Was passiert bei schlechten Noten oder vielen Fehlzeiten?

„Schlechte Noten allein sind kein Kündigungsgrund“, stellt Schöffmann klar. Unentschuldigte oder überhandnehmende Fehlzeiten aber schon. Berufsschule und Ausbildungsbetrieb bilden eine „feste Partnerschaft“ und tauschen sich aus – das heißt: Wer schwänzt, fliegt auf. „Das ist nicht wie in der Schule“, betont Schöffmann. Der Unterricht gehört zur Arbeitszeit und der Ausbilder zahlt dafür. Wer in der Probezeit blaumacht, riskiert eine sofortige Kündigung.

Rubriklistenbild: © dpa

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