Frankreich fordert mehr Macht bei EADS

- Paris - Die Lösung der EADS-Führungskrise in der kommenden Woche droht nach Informationen der Pariser Finanzpresse an einer Verhärtung der französischen Position zu scheitern. Dabei geht es um Bemühungen, die Macht des designierten EADS-Co-Chefs Noë¨l Forgeard zu stärken und ein Übergewicht der Deutschen im führenden europäischen Flugtechnikkonzern zu verhindern.

<P>Die Franzosen wollen die Regel aufbrechen, dass Chefs der EADS-Sparten stets Topmanagern unterstellt sind, die aus dem jeweils anderen Staat kommen. Der bisherige Airbus-Chef Forgeard wolle als Co-Chef nicht nur die Aufsicht über die künftig von Deutschen geführten Sparten Airbus und Verteidigungsgeschäft sondern auch die über Eurocopter und die Fertigung von ATR-Regionalflugzeugen, die von Franzosen geführt werden. Das berichtet "Les Echos". Damit hätte er auf Umwegen die Vormachtstellung erreicht, die er bereits seit Monaten anstrebt. Außerdem wolle Forgeard die Doppelspitze aus ihm und dem Deutschen Thomas Enders um zwei Geschäftsführer ergänzen. Mit dem deutschen Finanzchef Hans-Peter Ring und dem französischen Chef von EADS International, Jean-Paul Gut, würde eine Art Viererdirektorium geschaffen. Daimler-Chrysler lehnt dies ab.<BR><BR>Das Blatt "La Tribune" ergänzte, Daimler-Chrysler habe bereits der französischen Forderung zugestimmt, dass Forgeard zusätzlich den Vorsitz im Aktionärskomitee von Airbus erhalten solle. Er würde dort den Deutschen Rainer Hertrich ablösen. Doch den Franzosen reicht das nicht. Sie lassen den Konflikt eskalieren. "Solange uns die Deutschen keine Gegenleistung für die Einsetzung von Gustav Humbert an der Spitze von Airbus anbieten, kommt es nicht infrage, das künftige Organigramm der Gruppe zu billigen", erklärte ein Vertreter des französischen Lagers dem Blatt. Die Eröffnung der Pariser Flugzeugmesse am 13. Juni sei dabei kein entscheidendes Datum für eine Einigung. Der französische Großaktionär Sogeade, in dem der Staat und der Lagardère-Konzern vereint sind, hat die Verhärtung der Position "Les Echos" zufolge beschlossen.<BR><BR>Unterdessen werden im Streit um Airbus auch Nebenkriegsschauplätze eröffnet: Das Hamburger Werk trage die Schuld an den Verzögerungen beim Bau des Großraumflugzeugs A380, berichtet die "International Herald Tribune". Das Airbus-Werk Finkenwerder habe unvollständige Rumpfkomponenten an das Werk in Toulouse geliefert. Aus Hamburg ein Dementi: "Wir haben unsere Rümpfe termingerecht an Toulouse geliefert". Airbus in Toulouse wollte keinen Kommentar dazu abgeben. "Wir haben immer gesagt, dass es sich um Probleme im Produktionsprozess handelt", hieß es aus der Zentrale in Südfrankreich. </P>

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