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Nach dem Stillstand des französischen Wirtschaftswachstums wächst die Sorge um die Staatsschulden.

Frankreich: Gefahr vor Rezession

Paris - In Frankreich haben neue Wirtschaftsdaten am Freitag die Sorge um die Staatsfinanzen weiter bestärkt. Das französische Wirtschaftswachstum ist im zweiten Quartal zum Stillstand gekommen.

Dies teilte das nationale Statistikamt INSEE mit. Als wesentliche Ursachen wurden stark gesunkene Verbraucherausgaben und ein Exportrückgang genannt. Im ersten Quartal war den Angaben zufolge ein Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent zu verzeichnen. Analysten hatten für das zweite Quartal ein Wachstum von etwa 0,2 Prozent erwartet.

“Es ist keine Überraschung, dass die Zahlen für das zweite Quartal schwächer sind als für das erste, das hatten wird erwartet“, sagte Finanzminister François Baroin am Freitag dem französischen Radiosender RTL. Die Regierung werde trotz des geringen Wachstums an ihren Sparplänen festhalten.

Nach den jüngsten Turbulenzen an den Börsen und Befürchtungen, Frankreich könne als nächstes Land bei der Bewertung seiner Kreditwürdigkeit die Bestnote verlieren, war die Veröffentlichung der Zahlen zum französischen Wirtschaftswachstum mit Spannung erwartet worden. Als Reaktion auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte Frankreich am späten Donnerstagabend angekündigt, sogenannte Leerverkäufe von Aktien vorläufig zu verbieten. Die Börsenaufsicht AMF erklärte, das Verbot gelte für 15 Tage und betreffe elf Banken und Versicherungen.

Bei einem Leerverkauf setzt ein Händler darauf, dass die Kurse fallen. Dieses Vorgehen war unter anderem für die großen Kursschwankungen der vergangenen Tage verantwortlich gemacht worden. So hatten Investoren am Mittwoch massiv Aktien der führenden französischen Banken verkauft. Die Anteilsscheine der Société Générale verloren dadurch zeitweise mehr als 20 Prozentpunkte, die der BNP Paribas fast zehn Prozentpunkte und die der Crédit Agricole mehr als 14 Prozentpunkte.

Zentralbank-Chef verteidigt Kreditinstitute

Der französische Zentralbank-Chef Christian Noyer verteidigte am Donnerstag die Kreditinstitute seines Landes. Die Einnahmen der französischen Banken im ersten Halbjahr “bestätigten ihre Solidität in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“, sagte Noyer. Die Banken verfügten über gesunde Kapitalpolster.

Nach Angaben der EU-Aufsichtsbehörde ESMA wurde ein vorläufiges Verbot von Leerverkäufen auch in Italien, Spanien und Belgien beschlossen. Die Wirksamkeit der Maßnahme ist jedoch umstritten. “Die Entscheidung ist vor allem psychologischer Natur, da sie die Position der Regulatoren gegenüber der der Spekulanten zu stärken scheint“, sagte der Analyst Dominique Dequidt vom Pariser Finanzdienstleister KBL Richelieu. Tatsächlich hätten die Händler längst Mittel gefunden, solche Verbote zu umgehen, das Verbot werde daher kaum Wirkung zeigen können.

dapd

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