Frankreich: Kostendeckende Preise für Bauern

- Paris - Die Wirtschaft ist frei, doch um die Preise kümmert sich der Minister. Zwei Monate nach seinem Machtwort zur Verbilligung der Markenartikel für die Verbraucher will der französische Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy nun "gerechte Preise" für die Bauern. Er rang den Handelskonzernen die Zusage ab, den französischen Landwirten beim Einkauf von Obst und Gemüse mindestens die Produktionskosten zu zahlen.

<P>Für ein Kilo Pfirsiche sollen die Konzerne den Bauern mindestens 1,20 Euro statt 60 Cent zahlen. Im Laden kostet dieselbe Menge 1,59 bis 1,90 Euro. Oder Tomaten: Statt 30 sollen die Landwirte künftig 85 Cent für das Kilo erhalten. Bei Ladenpreisen zwischen 82 Cent und 1,34 Euro müsste der Handel Verluste einstecken.<BR><BR>Sarkozy hatte wieder einmal gute Nachrichten für alle Franzosen vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Und der "Zidane im Wirtschaftsministerium", wie ihn der Unternehmerverbands-Chef Ernest Antoine Seilliére nennt, setzt noch einen drauf: Wenn die Vereinbarung nicht reiche, werde die Regierung notfalls über gesetzliche Regelungen bestimmte Preise festsetzen.<BR><BR>Sarkozy könnte sich gezwungen sehen, dieser Drohung bald Taten folgen zu lassen. Die Konzerne zögern nämlich, ihre Zusagen umzusetzen. Zu sehr sitzen ihnen die Preisbrecher wie Lidl im Nacken. Und niemand kann die Discounter zwingen, bei französischen Bauern teuer einzukaufen und billigere deutsche Ware zu verschmähen. Schon jetzt sorgen die deutschen Bauern mit dem Einsatz von Billigarbeitern aus dem Osten kräftig für Preisdruck. "Wir werden von Deutschland und Südländern wie Marokko in die Zange genommen", klagt der Verband der Gemüseproduzenten.<BR><BR>Mindestpreise allein seien "selbstmörderisch", weil sie gegen das EU-Recht verstießen, sagt selbst Bauern-Sprecher Pierre Diot. Der Bauernverband FNSEA fordert nun die staatliche Festsetzung der Handelsmargen.<BR><BR>Beobachter wie die Pariser Zeitung "France Soir" sehen Sarkozy mit seiner Preisaktion angesichts der Marktrealitäten schlicht im Wahlkampf: Dieser will nach eigenem Bekunden 2007 Staatschef werden. Sein medienwirksamer Einsatz für Verbraucher und Krisenbranchen solle dazu das Feld bei den Wählern bestellen. Auf jeden Fall scheint Sarkozy wie schon bei Alstom und Aventis einen Streit mit Brüssel und EU-Partnern nicht zu scheuen. Er beruft sich auf die Branchenkrise, die verhindere, dass die Bauern "einen gerechten Lohn für ihre Arbeit" erhielten.<BR></P><P><BR> </P>

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