Frankreich setzt sich durch

- Paris - Im Milliardenpoker um den deutsch-französischen Pharmakonzern Aventis hat der französische Konkurrent Sanofi-Synthélabo mit Rückendeckung der Pariser Regierung den Zuschlag bekommen. Aventis habe ein erhöhtes "freundliches Angebot" akzeptiert, teilte Sanofi in einem offiziellen Kommuniqué´ in Paris mit. Die gebotene Summe liege mit 55,3 Milliarden Euro deutlich über der bisherigen Offerte von 48,5 Milliarden Euro, beschied Aventis.

<P>Paris hatte ein "nationales Interesse" an der Fusion angemeldet, um den Schweizer Mitbieter Novartis aus dem Feld zu schlagen. Entstehen soll ein Pharma-Riese namens "Sanofi-Aventis" mit einem Umsatz von knapp 25 Milliarden Euro und mehr als 100 000 Angestellten, weltweit drittgrößter Pharmakonzern nach dem US-Giganten Pfizer und GlaxoSmith-Kline. Mitentscheidend für die Fusion ist das Forschungsbudget des neuen Unternehmens von über vier Milliarden Euro, da die Entwicklung und Markteinführung eines neuen Medikaments etwa 800 Millionen Euro kostet.<BR><BR>Im Aufsichtsrat von Aventis gab es nach Gewerkschaftsangaben 13 Stimmen für die Fusion bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung. Der mit 13,5 Prozent Anteilen größte Aktionär, die Kuwait Petroleum Co, habe sich enthalten, hieß es.<BR><BR>Der Konkurrent Novartis, der nach Presseangaben 66 Milliarden US-Dollar (55 Milliarden Euro) in bar und Aktien bieten wollte, gestand seine Niederlage ein. Dieser Sieg "könnte sich langfristig als sehr teuer für Sanofi erweisen", sagte Novartis-Chef Daniel Vasella der Tageszeitung "Le Monde". </P><P>Aventis-Vorstandsvorsitzender Igor Landau sagte, das neue Angebot sei eine "Anerkennung des Werts des Unternehmens und der Qualitäten seines Managements". Landau soll nicht zum neuen Führungsteam gehören und stattdessen mit einer Millionen-Summe abgefunden werden. Sanofi-Chef Jean-Franç¸ois Dehecq, der die Führung des neuen Konzerns übernimmt, will die Umstrukturierung "in Grenzen halten". Die dadurch entstehenden Probleme würden "nach der üblichen Praxis beider Unternehmen" geregelt, sagte er.<BR><BR>Die französische Regierung hatte sich in die Verhandlungen eingeschaltet, um den erbitterten Widerstand von Aventis gegen das Sanofi-Angebot zu überwinden. Finanzminister Nicolas Sarkozy hatte die Vorsitzenden von Sanofi und Aventis zu einem geheimen Gespräch gedrängt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss hatten nach französischen Presseangaben irritiert auf die "Einmischung" der Regierung in Paris reagiert und die "Neutralität" der Politik angemahnt. Die Bundesregierung und deutsche Gewerkschaften haben den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland verlangt. Die EU-Kommission hat indes die Übernahme mit Auflagen gebilligt.</P>

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