Frankreich will Führung bei Airbus

Doppelspitze soll weichen: - Paris/Toulouse ­- Frankreich ist im Streit über den Einfluss bei Airbus auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung gegangen. Innenminister Nicolas Sarkozy und Premierminister Dominique de Villepin forderten die Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze beim Airbus-Mutterkonzern EADS. Wirtschaftsminister Thierry Breton sprach sich für eine Aufstockung des französischen Anteils an EADS aus.

An den französischen Standorten des Flugzeugbauers demonstrierten unterdessen zehntausende Mitarbeiter gegen das Sanierungsprogramm "Power 8".

Breton sagte, er wünsche eine Kapitalerhöhung bei EADS. "Wir sind sogar zur Aufstockung unseres Anteils bereit." Premierminister Villepin sagte, im Falle einer Kapitalerhöhung sei über die Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze bei EADS zu reden.

Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy ging noch einen Schritt weiter und forderte einen neuen Aktionärspakt, in dem der französische Staat besser vertreten wäre. "Wir müssen von der Krise profitieren, indem wir über die Balance auch bei den Aktionären neu verhandeln."

In Berlin sorgte der Vorstoß für Verwunderung. "Das sind Töne, die müssen mit dem Wahlkampf zusammenhängen", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). "Airbus war nicht zuletzt deswegen ein Erfolgsprojekt, weil es von Deutschland und Frankreich gemeinsam getragen worden ist. Wir sollten diese Gemeinsamkeit aufrechterhalten."

Derzeit wird EADS vom deutschen Thomas Enders und seinem französischen Kollegen Louis Gallois geleitet. Ein Aktionärspakt sichert den industriellen Haupteignern Daimler-Chrysler und Lagardère die Entscheidungshoheit. Dies will Sarkozy ändern. "Ich würde für Airbus das Gleiche wie für Alstom tun", sagte er. 2003 übernahm der französische Staat 20 Prozent des angeschlagenen Zugkonstrukteurs. Paris ist derzeit mit 15 Prozent an EADS beteiligt. Mehrere deutsche Bundesländer halten über ein Bankenkonsortium ebenfalls EADS-Anteile.

Sarkozys sozialistische Gegenkandidatin Ségolène Royal fordert ebenfalls eine Ausweitung der Staatsbeteiligung. Sie sprach mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Thema. Merkel habe sich nicht positiv dazu geäußert, die Tür dafür jedoch nicht zugeschlagen, sagte Royal.

In Frankreich wächst unterdessen die Wut über die geplanten Sparmaßnahmen. Knapp eine Woche nach Bekanntgabe des Programms gingen zehntausende Mitarbeiter auf die Straßen. Allein in Toulouse folgten bis zu 15 000 Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften. "Power 8" sieht den Abbau von 10 000 Stellen in Europa vor, davon 4300 in Frankreich. In Deutschland sollen 3700 Jobs gestrichen werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger kündigte derweil Widerstand gegen den geplanten Verkauf des Airbus-Werks im schwäbischen Laup heim an. Der Niedersächsische Landtag forderte die Landesregierung auf, den Kampf um den Erhalt der Airbus-Arbeitsplätze und den Verbleib aller Standorte im EADS-Verbund fortzusetzen.

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