Französische Hochzeit im Himmel schreckt Lufthanseaten nicht

- Paris/Frankfurt - Erst gibt die Swiss der Lufthansa einen Korb und verbündet sich mit British Airways, dann schmieden Air France und KLM den größten europäischen Luftfahrtkonzern. Wird die Kranichlinie von ihren ärgsten Konkurrenten jetzt in die Zange genommen? Branchenexperten und die Lufthansa geben sich gelassen: Die Star Alliance bleibt das weltweit größte Airline-Bündnis und die französisch-niederländische Ehe muss sich nach den Flitterwochen erstmal im Alltag bewähren.

<P>Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Mit 20 Milliarden Euro Umsatz, 63 Millionen Passagieren, 540 Flugzeugen und mehr als 100 000 Mitarbeitern überflügelt der neue Konzern Air France/KLM den bisherigen Branchenprimus aus Deutschland in allen Bereichen. "Aber die schiere Größe ist völlig unwichtig", sagt der Analyst Thomas Meier von Union Investment und verweist auf den profitablen Billigflieger Ryanair. Zudem müssen die Wettbewerbsbehörden den komplizierten juristischen Zusammenschluss erst noch billigen. </P><P>Die künftigen Ehepartner dürften erst in vier bis sechs Jahren vollen Nutzen aus ihrer Heirat ziehen, erklärt Meier. Zunächst müssen Überkapazitäten vor allem bei den Niederländern abgebaut, die Flotten, das Streckennetz sowie die Drehkreuze Paris-Charles-de-Gaulle und Amsterdam-Schiphol auf einander abgestimmt werden. Erst in fünf Jahren sollen die vollen Synergieeffekte von 500 Millionen Euro erzielt werden. </P><P>Air France und KLM betreten Neuland mit ihrem Zusammenschluss, der de facto eine Übernahme ist (Air France wird 81 Prozent der neuen Gruppe halten): Noch nie haben sich in Europa zwei ehemals staatliche Fluglinien so eng zusammengeschlossen. Unterschiedliche Unternehmenskulturen könnten Probleme schaffen. Außerdem sorgen sich die Gewerkschaften trotz aller Beteuerungen um Arbeitsplätze. "Früher oder später muss Air France-KLM in allen Bereichen radikale Schritte einleiten", sagt Analyst Meier. </P><P>Das Bündnis mit KLM sei ein Meilenstein in der Konsolidierung der Luftfahrtbranche in Europa, sagt Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta. Die von den ehemals nationalen Fluggesellschaften geprägte und fragmentierte Struktur dürfte sich weiter auflösen und drei Bündnissen um die großen europäischen Airlines Lufthansa, British Airways und Air France weichen. Insofern sei die Entwicklung vorhersehbar gewesen, kommentiert Lufthansa-Sprecherin Sandra Kraft. </P><P>Die Kranichlinie setzt weiter nicht auf Zusammenschlüsse, sondern auf eine Zusammenarbeit mit unabhängigen Fluggesellschaften im Rahmen der Star Alliance. Der weltweite Verbund um LH und United Airlines bleibe trotz des KLM-Deals weiter die Nummer eins vor SkyTeam (Air France, Delta) und Oneworld (British Airways, American Airlines). Demnächst werde die Star Alliance um die polnische LOT und US-Airways erweitert. </P><P>"Die Lufthansa ist als Airline und im Verbund der Star Alliance bestens aufgestellt", sagt Kraft und versichert: "Wir werden unsere Führungsposition behaupten." Doch gibt sie zu, dass der Wettbewerbsvorteil etwas kleiner geworden ist. Auch Analyst Meier, der keinen akuten Handlungsbedarf für die Lufthansa sieht, mahnt: "Air France wird ein stärkerer Gegner." </P>

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