Franzosen lenken ein: EADS beendet ihren Führungsstreit

- Paris - Die monatelange Führungskrise beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist offiziell beendet. Wie EADS mitteilte, übernimmt Gustav Humbert (55) als erster Deutscher die Leitung von Airbus.

Gleichzeitig wurden der bisherige Airbus-Chef Noë¨l Forgeard und der bisherige Rüstungsvorstand Tom Enders zu gleichberechtigten Konzernchefs berufen. 

Die Berufung des bisherigen Airbus-Vizechefs Humbert hatte sich wegen Unstimmigkeiten über die deutsch-französische Machtbalance immer wieder verzögert. Bei dem Konzern mit rund 110 000 Mitarbeitern tobte seit Monaten ein Machtkampf zwischen den Großaktionären Daimler-Chrysler und den französischen Großaktionären. 

Der bisherige Airbus-Chef Forgeard war mit seinen Plänen, die deutsch-französische Doppelspitze abzuschaffen und zudem die Airbus-Leitung zu behalten, bei Daimler-Chrysler auf strikten Widerstand gestoßen. Daimler-Chrysler auf der einen Seite und der französische Staat und die Lagardè`re-Gruppe auf der anderen Seite halten jeweils 30 Prozent an EADS. 

Die Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff und Arnaud Lagardè`re sprachen von "intensiven Verhandlungen" und betonten "die einzigartige Position der EADS als multinationales Unternehmen".

Nachfolger von Enders als Chef des Rüstungsbereiches wird der Deutsche Stefan Zoller. Zunächst hatte die französische Seite darauf bestanden, den Posten mit einem ihrer Kandidaten zu besetzen. Als weiterer deutscher Erfolg wurde verbucht, dass der Eurocopter-Chef Fabrice Bregier künftig Enders und nicht Forgeard unterstellt ist.

Das operative Geschäft des Konzerns soll künftig ein elfköpfiges so genanntes Executive Committee mit Forgeard und Enders an der Spitze führen. Der Board of Directors genannte bisherige Vorstand soll dagegen "die strategische Ausrichtung und geschäftliche Prioritäten" bestimmen. Innerhalb des neuen Exekutivkomitees sind jeweils drei Mitglieder Forgeard und Enders unterstellt. Drei weitere berichten an beide Konzernchefs. Enders unterstehen demnach der Geschäftsbereich Hubschrauber mit Bregier an der Spitze sowie Zoller und der Franzose Jean-Paul Gut als neuer Chief Operating Officer für Strategie und Marketing. Unter Forgeard arbeiten demnach Airbus-Chef Humbert, Raumfahrt-Chef Franç¸ois Auque und Finanzchef Hans-Peter Ring. 

Der französische Finanzminister Thierry Breton wies Vorwürfe zurück, dass es bei den Neubesetzungen nur um die Wahrung der deutsch-französischen Balance gegangen sei. Nicht die Nationalität, sondern die Fähigkeiten hätten den Ausschlag gegeben, sagte Breton dem "Figaro". Der Minister räumte aber ein, dass die Personalentscheidungen zu lange gedauert hätten. Der französische Staat wolle dafür sorgen, dass talentierte Manager frühzeitig erkannt und vorbereitet werden.

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