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Der Kampfpanzer Leopard 2 ist ein Gemeinschaftsprojekt von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Panzer dieser Art werden in Europa nur noch in kleinen Stückzahlen gebraucht. Das macht Zusammenschlüsse wahrscheinlich.

Rüstungsindustrie

Franzosen wollen Krauss-Maffei Wegmann

München - Wird Krauss-Maffei Wegmann vom französischen Konkurrenten Nexter geschluckt? Ein Zusammenschluss wäre sinnvoll. Doch die Eigner der Münchner Panzerschmiede haben bisher alle Eindringlinge abgewehrt.

Das Unternehmen hat 3000 Beschäftigte, davon rund die Hälfte in München. Man hört aber wenig davon. Denn Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gehört zu den als höchst verschwiegen geltenden Familienunternehmen. Seine Eigentümer sind ein weitverzweigter Clan, dessen wichtigste Mitglieder die Öffentlichkeit scheuen. Nun versucht nach einem Bericht des „Handelsblatts“ der französische Konkurrent Nexter, sich an KMW heranzupirschen.

An den KMW-Familien Bode, Braunbehrens, Sethe und Meydell – deren Mitglieder offensichtlich auch vertraglich an einem Anteilsverkauf gehindert sind – scheiterten bisher alle Versuche, für Militärfahrzeuge einen ähnlichen europäischen Zusammenschluss zu zimmern, wie es der EADS-Konzern in der Luftfahrtindustrie ist. Schon auf nationaler Ebene wurden bisher alle Annäherungsversuche beispielsweise von Rheinmetall durch die KMW-Eigner abgewehrt – obwohl man bei den wichtigsten Projekten zusammenarbeitet.

KMW und Nexter würden eigentlich ganz gut zusammenpassen. Der Nexter-Kampfpanzer Leclerc spielt in einer Liga mit dem KMW-Leopard 2. Auch in anderen Fahrzeugklassen haben beide Hersteller vergleichbares Gerät im Angebot. Würde man dies künftig zusammen entwickeln und bei Zulieferern gemeinsam einkaufen, könnte man erheblich sparen. Daran haben vor allem die Hauptkunden, die Militärs in Deutschland und Frankreich Interesse. Zwischen den Verteidigungsministerien in Berlin und Paris soll es entsprechende Kontakte geben.

Offenbar spricht man nun auch vermehrt innerhalb der Rüstungsbranche miteinander. Die Ursache ist schiere Not. Denn die Staatskassen sind leer. Und die Militärausgaben werden dorthin gelenkt, wo man künftig einen höheren Bedarf erwartet. So versucht Frankreich ganz ähnlich wie Deutschland, in unbemannte Flugzeuge zu investieren. Außerdem leiden beide Unternehmen auch an einem langfristigen Bedeutungsverlust. Panzerschlachten, die noch während des Kalten Krieges im Zentrum aller strategischen Überlegungen standen, wird es in dieser Form in Europa nicht mehr geben. Damit sinkt auch der Bedarf an entsprechendem Gerät.

Während die Produktportfolios beider Unternehmen gut zueinanderpassen, ist bei den Rechtsformen das genaue Gegenteil der Fall: Dem deutschen Familienunternehmen steht ein französischer Staatskonzern gegenüber. Das sorgt erst einmal für ähnliche Probleme wie bei der Gründung der EADS. Auch damals musste ein Großteil der französischen Industrie erst in eine private Rechtsform überführt werden, um das Übergewicht der französischen Politik im Unternehmen zu begrenzen.

Doch hat die sozialistische Regierung in Paris vorsichtige Privatisierungspläne ihrer konservativen Vorgänger gestoppt. Doch auch hier sorgt pure Not für ein Umdenken: Für notwendige Investitionen muss Frankreich staatliche Beteiligungen verkaufen.

Krauss-Maffei Wegmann ist der Rüstungs-Teilbereich des früheren Mischkonzerns Krauss-Maffei. Die wichtige Eisenbahn-Sparte gehört inzwischen zu Siemens. Krauss-Maffei heißt ein ebenso aus dem Mischkonzern hervorgegangenes Unternehmen, das am Stammsitz Allach Kunststoffverarbeitungsmaschinen herstellt. All diese Unternehmen gehen auf die 1838 gegründete Lokomotivfabrik Maffei zurück, die 1931 von dem jüngeren Konkurrenten Krauss übernommen wurde.

Die Franzosen führen ihre Geschichte bereits auf Waffenmanufakturen aus dem 17. Jahrhundert zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden all diese Rüstungsbetriebe verstaatlicht und in der Holding GIAT zusammengefasst. Daraus wurde im Rahmen eines Sanierungsprogramms von 2006 bis 2009 ein Großteil des operativen Geschäfts in die Tochter Nexter ausgegliedert. Von einst 15 000 Arbeitsplätzen blieben 3000 erhalten.

KMW wollte sich auf Anfrage nicht zu den Fusionsgerüchten äußern.

Martin Prem

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