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Die Frauenquote muss jetzt kommen, sagte Kanzlerin Merkel.

Am Ende der Geduld

Mehr Chefinnen wollen die Frauenquote

Berlin - Das Störfeuer aus der Union bei der Frauenquote hat die SPD auf die Palme gebracht. Nun entschärft die Kanzlerin den Streit und stellt klar: An dem umstrittenen Vorhaben wird nicht gerüttelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich klar zu der im Koalitionsvertrag vereinbarten gesetzlichen Frauenquote für Aufsichtsräte bekannt. Es sei müßig, weiter über die Einführung der Quote zu diskutieren, sagte Merkel am Mittwoch bei einem Empfang für weibliche Führungskräfte im Bundeskanzleramt. Schließlich seien alle Argumente zu dem Thema schon lange ausgetauscht. Mehrere Unionspolitiker hatten am Vortag Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) gegen sich aufgebracht mit dem Vorschlag, die für 2016 geplante Quotenregelung als „Entlastungsmaßnahme“ für die Wirtschaft zu verschieben.

Schwesig begrüßte Merkels Klarstellungen. „Die Bundeskanzlerin hat deutlich gemacht, dass die Frauenquote kommt.“ Eigentlich sei das eine „Selbstverständlichkeit“. Nach den jüngsten „Unverschämtheiten“ aus der Union sei dies aber notwendig gewesen, sagte Schwesig der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kanzlerin sagte: „Frauen in Top-Positionen sind immer noch eine Rarität.“ Im vergangenen Jahr sei die Zahl der weiblichen Vorstände in Deutschland sogar gesunken. Über viele Führungspositionen werde in Hinterzimmern entschieden, „und da sitzen nur Männer“, sagte die Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft, Angela Friederici. Für einen Mann sei die naheliegende Wahl im Regelfall der Kandidat, erklärte Katharina Herrmann, Vorstandsmitglied der ING-DiBa-Bank. Deshalb sei die Quote ein wichtig, um Veränderung herbeizuführen.

Der Gesetzentwurf sieht eine 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte der 108 größten börsennotierten Unternehmen vor. Rund 3500 weitere Unternehmen müssen sich selbst ein Ziel setzen, um den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den beiden obersten Management-Etagen zu erhöhen. Schwesig hat auch diesen Unternehmen mit einer starren Quote gedroht, sollten ihre Zielvorgaben nicht ambitioniert genug ausfallen. Das Gesetz muss noch vom Kabinett beschlossen werden.

Noch langsamer als der berufliche Aufstieg von Frauen vollziehe sich in Deutschland der Wandel der Rollenbilder, stellten die weiblichen Führungskräfte fest. „Das ist vergleichbar mit dem Ritt auf einer Schnecke“, sagte die Unternehmerin Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende der als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichneten Firma Warema Renkhoff.

Wenn es im gleichen Tempo weitergehen würde wie bisher, dann wäre ein Anteil von 40 Prozent Frauen in den Chefetagen erst in über 100 Jahren erreicht, sagte Schwesig. Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern sei zwar im Grundgesetz verankert, aber die Realität sehe nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in staatlichen Institutionen ganz anders aus.

Bei der Durchsetzung des neuen Gleichstellungsgesetzes sei sie auf viele Widerstände gestoßen, betonte die Ministerin. „Neulich hat einmal jemand zu mir gesagt: Aber Frau Schwesig, Sie verschieben damit ja die Macht zugunsten der Frauen“, berichtete sie - daran habe sie jedoch nichts Schlechtes sehen können.

dpa

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