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Duo im Gepäck: Nun dürfen zwei Kleinkinder in einem Fahrradanhänger mitgenommen werden.

Regeln für Radler vereinfacht

Freie Fahrt auf neuen Wegen

Gute Nachrichten für Radlfahrer. Anfang September sind Änderungen in der Straßenverkehrsordnung in Kraft getreten, die auch das Fahrradfahren wesentlich betreffen. Darunter sind einige, die Radlern das Leben leichter machen.

Im Grundsatz werden die Vorschriften für den Radverkehr gestrafft und vereinfacht. „Städte und Kommunen haben durch die Novelle der Straßenverkehrsordnung nun mehr Handlungsspielraum und größere Flexibilität“, sagt Hans-Jürgen Heidenreich vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.

Mehr Einbahnstraßen und Sackgassen offen

Das wird insbesondere in der Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr deutlich. Bisher war es so, dass eine Einbahnstraße für den Radverkehr nur dann auch entgegengesetzt befahren werden durfte, wenn „die Radverkehrsplanung die Benutzung erforderlich machte“, also eine spürbare Lücke im Straßennetz der Radler dadurch geschlossen werden konnte. Außerdem musste, bevor eine Einbahnstraße freigegeben werden konnte, das Verkehrs- und Unfallgeschehen genau dokumentiert werden. Hier hat der Gesetzgeber aber eingesehen, dass es grundsätzlich Sinn machen könne, eine solche Straße für den Radler freizugeben, was dann durch ein Schild kenntlich gemacht werden muss. Auch wurde eine Häufung von Radler-Unfällen nicht festgestellt. Diese Erkenntnis haben die Niederlande – also das Fahrradland schlechthin – im Übrigen seit mehr als 40 Jahren.

Für Sackgassen kann mit Hilfe von Piktogrammen deutlich gemacht werden, ob sie von Radlern durchfahren werden können. Das ist dann von Bedeutung, wenn die „Durchlässigkeit“ nicht ohne weiteres zu erkennen ist.

Mit den „Großen“ an der Ampel

Eine Änderung, die das Fahrradfahren in der Stadt verändern wird, betrifft die Beachtung von Ampeln. Bisher war es so, dass von Radfahrern grundsätzlich die Fußgänger-Ampel zu beachten war. Künftig dürfen sich die Radler an der Lichtzeichenanlage des „Fahrverkehrs“ (also dem normalen Auto-, Bus- und Lkw-Verkehr) orientieren. Davon ist dann abzuweichen, wenn ein besonderes Lichtzeichen für Radler vorhanden ist. Bis zum 31. August 2012 wird allerdings gelten, dass Radfahrer weiterhin die Fußgängerampel zu beachten haben, solange keine „Radlerampel“, jedoch ein Radweg vorhanden ist.

Rücksichts-Pflicht in Fahrradstraßen

Die Geschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmer neben den Radlern in sogenannten Fahrradstraßen (sofern sie dort überhaupt zugelassen sind, was aber grundsätzlich möglich ist) ist konkretisiert worden. Galt bisher, dass sie mit „mäßiger Geschwindigkeit“ fahren durften, ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit nunmehr auf 30 km/h festgelegt. Hier geht das Gesetz noch einen Schritt weiter und regelt, dass Radfahrer „weder gefährdet noch behindert werden dürfen“ und die Kraftfahrer „wenn nötig“, ihr Tempo unter 30 km/h verringern müssen. Übrigens: Für Fahrradfahrer gilt die „30er“-Regelung auch. Wie sie die ohne Tachometer einhalten können, ist ihre Sache . . .

Zwei Kinder in einem Anhänger

Die Personenbeförderung ist aus Sicht des ADFC mit der Änderung der Straßenverkehrsordnung an die „gängige Praxis angepasst worden“. Bis zu zwei Kinder, die nicht älter als sieben Jahre sind, dürfen nun in Fahrradanhängern mitgenommen werden. Vor–aussetzung: Der „Fahrrad-Lenker“ ist mindestens 16 Jahre alt.

Linksfahren nur im Ausnahmefall

Radfahrer dürfen jetzt außerdem auf dem „linken Radweg“, also im eigentlichen Gegenverkehr fahren, wenn das Schild „Radverkehr frei“ dies dort gestattet. Das wird aber nur nach sorgfältiger Prüfung der Umstände vor Ort der Fall sein. Denn grundsätzlich ist die Benutzung der in Fahrtrichtung links angelegten Radwege besonders gefährlich.

Außerhalb geschlossener Ortschaften sind Radwege allerdings meistens nur einseitig angelegt und mit einem Sicherheitsstreifen von der Auto-Fahrbahn getrennt. In diesen Fällen wird in der Regel für beide Richtungen eine Benutzungspflicht für Radfahrer durch blaue Radwegschilder angeordnet.

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

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