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Freie Wahl beim Gas: Trotz Konkurrenz kaum sinkende Preise

- Bonn - Für die Gaskunden ist es auf den ersten Blick eine erfreuliche Nachricht: Schon zum 1. April sollen sie in vielen Regionen ihren örtlichen Versorger verlassen und den Lieferanten frei wählen können. Das war bisher, anders als beim Strom oder beim Telefon, nicht der Fall. Doch ob das Angebot von Gasunternehmen wirklich einen Segen für den mit immer höheren Preisen konfrontierten Kunden bedeutet, ist fraglich.

Branchenkenner und Verbraucherschützer rechnen nicht damit, dass zum Starttermin der Kunde von Billigangeboten neuer Händler überschwemmt wird oder die Preise purzeln. Und auch die Kosten für den Gasimport, den die Versorger als wichtigen Teil ihrer Erhöhungen angeben, bleiben von dem Angebot unberührt. Derzeit ist Erdgas fast doppelt so teuer wie vor fünf Jahren. Nach Einschätzung des Bundes der Energieverbraucher zahlen die Privathaushalte derzeit einen um etwa 20 Prozent überhöhten Endpreis.

Einen Teilerfolg haben die rund 17 Millionen Gaskunden in Deutschland (fast jede zweite Wohnung wird mit Gas beheizt) und vor allem das Bundeskartellamt aber wohl doch davongetragen. Die über immer neue Preisrunden verärgerten Kunden haben mit Zahlungsboykotten und Klagen für eine aufgeheizte Stimmung gesorgt. Und die Wettbewerbshüter mit Kartellamtspräsident Ulf Böge an der Spitze setzten mit Verfahren gegen überhöhte Preise die Gaslieferanten unter Druck.

In dieser Lage waren eine Reihe von Gasunternehmen und der Branchenführer Eon bereit, in die Offensive zu gehen. Sie verpflichteten sich dazu, ihren Kunden schon zum 1. April einen Wechsel des Anbieters zu ermöglichen. Dies sollte nach einer Vereinbarung mit der Bundesnetzagentur bundesweit erst zum 1. Oktober geschehen.

Die sieben Unternehmen, gegen die beim Kartellamt ein Preismissbrauchverfahren lief, haben mit diesem Schritt bei Böge die Einstellung dieses Verfahrens erreicht. Böge begründete seine Position damit, dass wirksame Wechselmöglichkeiten den Wettbewerb insgesamt belebten und sich auch in einem niedrigeren Preis niederschlagen würden.

Dass es solche Möglichkeiten zunächst geben wird, bezweifeln Experten und Verbraucherschützer. Das Verfahren sieht vor, dass Endkunden - wie beim Strom - mit einem neuen Anbieter einen Versorgungsvertrag abschließen. Dieser muss dann das Gas wiederum vom etablierten regionalen Netzbetreiber kaufen. Einen großen preislichen Spielraum dürfte es hier kaum geben.

Hinzu kommt: Wer Gas anbieten will, muss auch Gas haben. Und auch hier sitzen die etablierten Unternehmen - teilweise mit dem Großhändler Eon Ruhrgas (rund 60 Prozent Marktanteil) im Rücken - am langen Hebel. Dieses Problem könnten am ehesten Töchter ausländischer Konzerne wie BP lösen.

Insgesamt dürfte die Öffnung des Gasmarktes und des zerstückelten deutschen Pipeline-Netzes ein langer Prozess werden. Zunächst werde "nicht viel passieren", sagte der Experte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel. Und auch Böge bremste die Erwartungen, als er die Mitteilung über die neue Wechselmöglichkeit mit den Worten kommentierte, es gebe "noch keinen Anlass zur Euphorie".

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