Freiheit statt Bratwurst: Wöhrls DBA bläst zur Kranich-Jagd

- München - Der moderne Freiheitskämpfer trägt Anzug und blaues Hemd. Hans Rudolf Wöhrl besteigt das Podest, hebt Haupt und Stimme und verkündet der Welt feierlich: "Es geht nicht um mich. Es geht um die Freiheit am Himmel." Der Pathos des Piloten soll Kunden das preiswerte Fliegen lehren und die Lufthansa das Fürchten. Der Äther gehört nicht der Kranich-Linie allein, glaubt der Chef der DBA aus München.

<P>Deutsche BA hieß die Fluglinie mal und war fast pleite. DBA soll sie künftig heißen und etwas weniger pleite sein. Seit 10 Tagen führt der Einzelhandelskaufmann und Privatpilot das defizitäre Unternehmen. Für einen Euro bekam Wöhrl von der müde gewordenen Mutter British Airways 800 Mitarbeiter, 16 Flugzeuge und die Pflicht, einen neuen Firmennamen zu suchen. Der Nürnberger stellt nun sein Konzept zur Rettung der zweitgrößten deutschen Fluglinie vor.<BR><BR>Die Preise werden einfach. (Geschäfts-)Kunden bekommen ab heute auf jeder Verbindung - auch ins Ausland - für die einfache Strecke ein voll umbuchbares Ticket für 175 Euro, Snack an Bord inklusive. Sparer können sich Plätze zwischen 25 und 165 Euro ergattern und für 20 Euro umbuchen. Weniger gehe nicht, beteuert Wöhrl: "Wir wollen keinen blutigen Wettbewerb. Wir werden dem Passagier nichts zahlen, damit er mit uns fliegt."<BR><BR>Damit will er nächstes Jahr die Gewinnzone erreichen. Bis dahin verzichten die Mitarbeiter 12 Monate lang auf 20 Prozent ihres Gehalts. 10 Millionen Euro soll das bringen. Alle Kosten werden radikal gedrückt. Für das laufende Geschäftsjahr (bis März 2004) rechnet Wöhrl mit bis zu 40 Millionen Euro Verlust bei 300 Millionen Umsatz und 3,6 Millionen Passagieren.<BR><BR>Wenn der Weg in die Gewinnzone eingeschlagen ist, sollen weitere Strecken und vier eigene Flugzeuge dazukommen. Möglicherweise wird die Flotte dann komplett auf Airbus umgestellt. London, Paris, Marseille, Lyon gedenkt Wöhrl anzufliegen, außerdem "im Ostblock" Moskau oder St. Petersburg: "Wir wollen ein dichtes Netz, das vor allem für Geschäftsleute attraktiv ist." Ohne die rechnet sich die Flugstunde zu 9000 Euro nämlich nicht. Sollte es keinen Turnaround geben, sagt Wöhrl deutlich, "werden wir das Experiment beenden".<BR><BR>Auf jeden Fall wird es ein Experiment ohne Schnickschnack. Den Transport, sonst nichts, will Wöhrl den Kunden anbieten. "Warum soll sich der Passagier durch lange Ladenketten quälen", ätzt er in Richtung Flughäfen. Oder warum mehr für ein Ticket zahlen, damit es "ein paar saure Drops bei Lufthansa an Bord gibt". Dass die Lufthansa im gnadenlosen Wettbewerb in der Luft statt mit Drops mit niedrigeren Preisen antwortet, hält Wöhrl durchaus für möglich. Man werde sich zu wehren wissen, droht er vorbeugend.<BR><BR>Bis dahin muss der neue Chef Hausaufgaben erledigen. "Wir brauchen eine gewaltige Kraftanstrengung", sagt Wöhrl, erneut nicht ohne Pathos. Wenigstens die schwierige Namensfindung ist abgeschlossen. Wöhrl verwarf, so war zu hören, den Vorschlag, die trudelnde Fluglinie "Chicken Wings" zu nennen. Auf das Kürzel DBA will er nicht verzichten. Dies könne man verstehen als "das beste Angebot". Oder, wie der Nürnberger scherzt: "Die Bratwurst-Airline".<BR><BR><BR>Lesen Sie hierzu das Gespräch mit Hans Rudolf Wöhrl</P>

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