Freiheit für den Wirtschaftsaufschwung

- Washington - Es geht aufwärts mit der Weltwirtschaft: In Europa gedeihen zarte Aufschwungspflänzchen, Japan kommt voran und die USA dampfen mit satten Wachstumsraten mal wieder voraus. Seit langem sind die Prognosen nicht mehr so positiv gewesen. Bei aller Zufriedenheit warnen Ökonomen aber vor einer Gefahr: Anstatt ihre Märkte weiter für den Welthandel zu öffnen, schrecken manche Länder vor Liberalisierung zurück.

<P>Abschottungstendenzen könnten die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht kippen, warnte US-Notenbankchef Alan Greenspan. Nur ein sehr flexibles Weltwirtschaftssystem könne mit Ungleichgewichten wie hohen Überschüssen etwa in Asien und Defiziten in den USA fertig werden. Die USA sind auf Finanzierung aus dem Ausland mehr denn je angewiesen. Das US-Leistungsbilanzdefizit liegt inzwischen auf einem historischen Hoch von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Das läuft auf eine internationale Krise hinaus", warnte Nobelpreisträger Robert Mundell im "Wall Street Journal".</P><P>Wenn Investoren das Vertrauen in die US-Wirtschaft verlieren, würde der Dollar unkontrolliert stürzen, so die Sorge. Bislang verlief die Wechselkursanpassung allerdings in geordneten Bahnen. Die US-Währung hat in den vergangenen zwei Jahren rund ein Drittel gegenüber dem Euro verloren.</P><P>Greenspan richtete seine Warnung vor Protektionismus wohl in erster Linie an die eigene Regierung. Washington hatte versucht, sich die Konkurrenz auf dem heimischen Stahlmarkt durch Schutzzölle vom Hals zu halten. Anfang Dezember beugte sich die Regierung der Drohung teurer EU-Sanktionen, nachdem die Welthandelsorganisation (WTO) die Zölle schon für illegal erklärt hatte.</P><P>Washington gab die Zölle auf. Im November verhängte man aber Importbeschränkungen gegen Textilien aus China.<BR>Ungeachtet der Gefahren rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in den 30 wichtigsten Industriestaaten im nächsten Jahr aber mit einem breiten Aufschwung. Licht am Ende des langen Konjunkturtunnels sehen die Experten auch in Europa: Den Euroländern trauen sie im nächsten Jahr 1,8 Prozent Wachstum zu, Deutschland 1,5 Prozent. Klassenbester unter den Industrieländern werden nach den Prognosen wieder die USA: 4,2 Prozent erwartet die OECD im nächsten Jahr.</P>

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