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Eine Filiale des Weltbild-Verlags: Auch auf diese Läden hat die Insolvenz noch keine direkten Auswirkungen.

„Kirche ist in der Pflicht“

Aigner schließt Hilfe für Weltbild-Verlag aus

Augsburg – Nach der Insolvenz des katholischen Weltbild-Verlages betont die Staatsregierung in erster Linie die Verantwortung der Kirche. Der Insolvenzverwalter macht den Mitarbeitern Mut: „Weltbild ist eine gute Marke.“

Bayern plant kein Rettungsmanöver mit Steuergeldern für den taumelnden Weltbild-Verlag. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) schloss am Montag nach einer Kabinettssitzung Staatshilfen klar aus. „Es werden hier definitiv keine Steuergelder für die Rettung eingesetzt“, sagte sie unserer Zeitung. Aigner will jedoch mit Arbeitsministerin Emilia Müller am Donnerstag mit Betroffenen bei Weltbild sprechen. „Uns geht es um die Mitarbeiter“, sagte die Vize-Ministerpräsidentin.

Regierungschef Horst Seehofer hatte noch am Vortag offensiver geklungen. „Von Bürgschaften bis zu Überbrückungen“ sei alles möglich. Davon ist nun keine Rede mehr. Nach der Kabinettssitzung betonten mehrere Minister, die Kirche solle sich „ihrer Verantwortung bewusst sein, auch als Arbeitgeber, auch als Eigner, was die Hilfe und die Unterstützung der betroffenen Arbeitnehmer und ihrer Familien angeht“. Ihr komme da eine ganz besondere Verantwortung zu.

Drei Tage nach der Insolvenz-Anmeldung des katholischen Verlages hat sich der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gestern den Beschäftigten vorgestellt. Es gebe zur Lage des Unternehmens nichts zu beschönigen, aber auch die Guthabenseite sei nicht leer, sagte er bei einer Mitarbeiterversammlung laut Teilnehmern. Weltbild sei eine gute Marke mit treuen Kunden. Er könne den Beschäftigten die Unsicherheit nicht nehmen, aber werde alles tun, damit das Unternehmen weitermachen könne. Eine Firmenauflösung sei ein Alptraum.

Seine Kanzlei hatte auch die Schlecker-Pleite verwaltet. Der Weltbild-Verlag hatte Insolvenz beantragt, weil die kirchlichen Eigentümer keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung mehr sahen. Die Gewerkschaft Verdi wirft den Kirchen Verantwortungslosigkeit gegenüber den Mitarbeitern und „Kapitalismus in Reinkultur“ vor.

Auf die Buchhandlung Hugendubel und ihre Filialen hat die Weltbild-Insolvenz nach Aussagen der Geschäftsleitung „keine unmittelbaren Auswirkungen“. Die Hugendubel-Belegschaft verfolgt das Tauziehen um Weltbild seit Jahren mit Sorge, weil beide Häuser eng verflochten sind. Sie sind je zur Hälfte an der Dachgesellschaft „Deutsche Buch Handels GmbH“ (DBH) beteiligt, Internet-Geschäft und Teile der Logistik wurden noch vor zwei Jahren überwiegend von Weltbild abgewickelt.

Doch das hat sich geändert: „Einkauf, Bestellung und Logistik werden operativ auch heute schon über Hugendubel selbst abgewickelt“, gaben die Gesellschafter Nina und Maximilian Hugendubel bekannt. „Wir hatten geplant, unser eigenes Markenprofil weiter zu schärfen und dazu auch Überlegungen hinsichtlich einer Abspaltung von Weltbild angestellt. Auch hatten wir das Szenario einer Insolvenz von Weltbild rein vorsorglich in unsere Überlegungen einbezogen“, hieß es. Seit Freitag sei man „in intensiven Gesprächen“ mit Partnern. Die Geschäftszahlen seien, nicht zuletzt dank dreistelliger Zuwachsraten im Online-Sektor, gut, „sodass wir optimistisch in die Zukunft blicken“.

dpa/cm/sc

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