Freistaat streicht Meistern die Elite-Förderung

- München - Bayerns beste Meister werden zum Sparen verdonnert. Um seine Haushaltslöcher zu stopfen, löst der Freistaat rückwirkend den Meisterpreis-Fonds auf. Aus den 81,8 Millionen Euro wurden bisher die Eliten aus Meister- und vergleichbaren Kursen gefördert. Besonders hart erwischt es dabei einen oberbayerischen Jahrgang.Bis zu 1560 Euro bekamen die besten 30 % der Prüflinge vom Freistaat.

Das deckt einen guten Teil der Lehrgangskosten. Für manche war das Geld die erste Basis für die Selbstständigkeit. Gespeist wurde der bundesweit einzigartige Fonds 1995 aus Privatisierungserlösen. "Wir wollen ein Signal setzen für die Gründung selbstständiger Existenzen", verkündete Ministerpräsident Stoiber noch vor einem Jahr.<BR><BR>Pech für alle, die darauf vertraut haben. Wie Sandra Rubenbauer, die im Herbst 2002 in den Meisterkurs "Personalfachkauffrau" der IHK München-Oberbayern startete. Im Januar 2004 absolvierte sie ihre mündliche Prüfung mit einem Top-Ergebnis. Preis? Nix da. Ende Dezember war, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Schluss. "Ich finde das ungerecht", sagt sie: "Die Kollegen in anderen Kammerbezirken, die zur gleichen Prüfung noch im Dezember eingeteilt wurden, bekommen den Preis noch." Gerecht zu sparen, sei legitim, sagt sie. Aber so? Dass die Auszeichnung wegfällt, erfuhr sie nur durch Zufall.<BR><BR>Betroffen sind von der Kürzung über 6000 Top-Absolventen pro Jahr. "Das ist traurig", heißt es bei der Handwerkskammer knapp. Man hoffe aber, dass der Fonds "über kurz oder lang wieder eingeführt wird".<BR>Hoffen kann man ja mal, Grund dazu gibt es aber nicht. "Der Fonds ist nicht eingefroren, sondern aufgelöst", sagt das unter Spardruck stehende Wirtschaftsministerium. Die politische Entscheidung sei gefallen, als Stichtag der 31. Dezember 2003 geplant. Einzelfälle wolle man aber noch im Detail prüfen.<BR><BR>Hildegard Kronawitter, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD im Landtag, hat sich des Falls von Sandra Rubenbauer und ihrem Kurs angenommen. "Die Prüflinge erwarten zu Recht Vertrauensschutz", schreibt sie an IHK-Chef Reinhard Dörfler: "Ich vermisse Ihren entschiedenen Protest."<BR><BR>Dörfler hat bereits mit mehreren Schreiben an die Staatsregierung vergeblich protestiert: "Das ist der Kreis, aus dem sich unsere Existenzgründer rekrutieren", sagt er über die Jahrgangsbesten. Nun sucht er hinter den Kulissen eine Lösung wenigstens für die Januar-Prüflinge.<BR>

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