Landesbank

Freistaat stutzt der BayernLB die Flügel

München - Mittelstand, Immobilien und Sparkassen: Die taumelnde BayernLB soll sich auf ihre Wurzeln besinnen, um zu überleben. Dazu bedarf es einer Rosskur, die das größte Kreditinstitut im Freistaat hunderte Stellen vor allem im internationalen Geschäft kosten wird.

Nach der dramatischen Rettung der Bayerische Landesbank durch den Freistaat wird dem Kreditinstitut ein harter Sanierungskurs verordnet. Der Verwaltungsrat beschoss am Samstag in einer sechsstündigen Sitzung in München, das Auslandsgeschäft massiv einzudampfen und Personal abzubauen. Ziel ist es, die Kosten weiter zu reduzieren und der BayernLB ein tragfähiges, risikoärmeres Geschäftsmodell zu verpassen. Die Bank soll sich nie wieder in existenzbedrohende Investments an den Finanzmärkten verrennen, die sie in den vergangenen Wochen an den Rand des Zusammenbruchs manövrierten.
Nach den Worten von Finanzminister Georg Fahrenschon wird das Institut sein „internationales Engagement in hohem Maße abbauen“.

Die Landesbank müsse sich künftig auf ihr „Kerngeschäft Mittelstand und das optimale Zusammenspiel mit den Sparkassen“ konzentrieren, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates. Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Martin Zeil, ebenfalls Mitglied in dem Kontrollgremium, gegenüber unserer Zeitung: „Von einer Staatsbank mit einem gesetzlichen Auftrag erwarten wir eine Konzentration auf Bayern.“ Das internationale Geschäft sei weniger Aufgabe einer Staatsbank.

Die Landesbank ist in den vergangenen Jahren zu einem weltweit vertretenen Finanzkonzern gewachsen. Das Institut besitzt Anteile an Gesellschaften in Südosteuropa wie der österreichischen Hypo Alpe Adria (HAA) und der drittgrößten ungarischen Bank MKB. Hinzu kommen Töchter in Luxemburg, der Schweiz sowie Niederlassungen in London, New York oder Hongkong. Gerade diese drei Repräsentanzen gelten als gefährdet, da sie nicht dem Mittelstandsgeschäft zuzuordnen sind, das künftig zu den tragenden Säulen gehören soll. Dort sind zusammen einige hundert Menschen beschäftigt. Zeil schloss auch einen Verkauf der HAA zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus: „Über solche Schritte wird gegebenenfalls im Lauf der nächsten Monate entschieden. Generell ist im Moment für Verkäufe aber nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt.“
Details über die Beschlüsse des Verwaltungsrates gab die Bank am Wochenende nicht bekannt. Sie sollen heute präsentiert werden. Zuvor will die Führung der BayernLB intern über die Einschnitte informieren, um die Belegschaft nicht zu brüskieren.

Auch Einzelheiten zum geplanten Jobabbau werden dann verkündet, der die 5000 Mitarbeiter in Deutschland ebenso treffen dürfte wie die 14 000 im Ausland. „Es wird sicher überall Einschnitte geben“, sagte Zeil. „Man kann niemandem in voller Höhe eine Beschäftigungsgarantie geben.“ Zuletzt war über den Wegfall von bis zu zehn Prozent der Stellen spekuliert worden. Die Kürzungen beim Personal sollen dazu beitragen, die Sparziele der Bank zu erreichen. Im Oktober hatte es geheißen, bis zum Jahr 2011 solle der Aufwand um 400 Millionen Euro sinken. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass diese Zahl wegen der seitdem enorm verschärften Lage erhöht wird.

Die Staatsregierung hatte am Freitag wegen neuer Finanzmarktverluste und steigender Kreditrisiken ein Rettungspaket mit Kapitalspritzen und Garantien von insgesamt gut 30 Milliarden Euro für die Landesbank geschnürt. Den Löwenanteil will der Freistaat über neue Schulden aufbringen. Die Sparkassen beteiligen sich nicht an der Unterstützung. Ihr Anteil an der BayernLB wird dadurch deutlich sinken.

fe/cd/ap/dpa

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