Ab Freitag gilt Elektroschrott-Gesetz: Was sich für Verbraucher ändert

- Weg mit dem Monitor, der neue Flachbildschirm soll's sein, oder das neue UMTS-Handy statt des zwei Jahre alten Uraltmodells. Der rasante Innovationsrhythmus bei Elektronikgeräten lässt auch die Schrotthaufen der Informationsgesellschaft immer schneller wachsen. 1,1 Millionen Tonnen Altgeräte werden in Deutschland jährlich ausrangiert - Computer, Drucker, Monitore und Handys, aber auch Fernseher, Mixer, Toaster, Staubsauger, Waschmaschinen und Kühlgeräte.

Um des Problems Herr zu werden und das Beste daraus zu machen, wird ab Freitag, den 24. März, bundesweit ein neues Rücknahmesystem eingeführt. Dann sind nach dem neuen Elektrogerätegesetz alle Verbraucher verpflichtet, ihre Altgeräte bei kommunalen Sammelstellen abzuliefern. Auch einen alten MP-3-Spieler, einen Rasierer oder eine Glühbirne darf man nicht mehr einfach in die Mülltonne werfen. Die Bringschuld gilt nur dann nicht, wenn etwa ein Händler beim Kauf einer neuen Kühltruhe die alte zurücknimmt oder die Gemeinde freiwillig einen Abholservice organisiert.

Teilweise nehmen auch Händler Ausrangiertes an

Immerhin entfallen die bisher vielerorts üblichen Gebühren beim Abliefern eines Videorekorders oder eines CD-Brenners. Die Kommune nimmt die Altgeräte im Recyclinghof auch nur kommissarisch an. Für alles Weitere sind die Hersteller zuständig. Sie müssen entsprechend ihrem Marktanteil Schrott bei den Kommunen abholen lassen und die Wiederverwertung oder Entsorgung sicherstellen.

Doch das hochkomplizierte Melde- und Verteilsystem hat die Industrie in den vergangenen Jahren mit deutscher Gründlichkeit aufgebaut. 350 bis 500 Millionen Euro im Jahr veranschlagen die zuständigen Herstellerverbände dafür, und niemand will ausschließen, dass die Gerätepreise entsprechend steigen. So wird geschätzt, dass die Entsorgung einer Waschmaschine acht Euro kostet, die eines Fernsehers zehn und die eines Kühlschranks 15 Euro.

Ziel des neuen Gesetzes ist es, gefährliche Stoffe im Sinne der Umwelt aus dem Verkehr zu ziehen und Wertstoffe für eine weitere Verwendung zurückzugewinnen. Denn das Flammschutzmittel aus dem Laptop oder das Quecksilber aus der Neonröhre soll nicht wie bisher einfach auf der Mülldeponie oder in der Verbrennungsanlage landen. Die Ozonkiller FCKW aus alten Kühlschränken sollen ebenfalls nicht unkontrolliert entweichen, sondern möglichst unschädlich abgesondert werden.

Hersteller erwägen wegen Aufwand höhere Preise

Andererseits sind auch die modernen Schrotthändler scharf auf wertvolle Materialien, die mit der kurzen Lebensdauer von Elektronikgeräten keineswegs verschlissen sind. Dabei geht es um Platin, Gold oder Silber, aber auch um banalere Stoffe wie Kupfer oder Aluminium. Die Deutsche Umwelthilfe rechnet vor, dass für ein Notebook von 2,7 Kilogramm Gewicht 429 Kilogramm Rohstoffe ausgeschlachtet werden müssen. "Wenn Altgeräte recycelt werden, spart dies drei Viertel der eingesetzten Rohstoffe", erklärt der Umweltverband. Aus 14 Tonnen Elektronikschrott sei etwa eine Tonne Kupfer zu gewinnen.

Letztlich ist das ganze neue Verwertungssystem auf den guten Willen der Verbraucher angewiesen. Denn die Rückgabepflicht kennt keine Sanktionen. Wer also doch seinen alten Taschenrechner in die Mülltonne wirft, hat kaum Konsequenzen zu fürchten.

Schlimmstenfalls kann sich die Müllabfuhr weigern, die Tonne zu leeren. Doch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist trotzdem zuversichtlich: Die Mülltrennung sei "der Deutschen liebstes Umweltkind", befand er jüngst.

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