+
Akorn pocht auf die Einhaltung der von Fresenius gemachten Zusagen. Foto: Frank Rumpenhorst

Medizinkonzern

Fresenius bläst Milliarden-Übernahme von Akorn ab

Es wäre der zweitgrößte Zukauf in der Firmengeschichte von Fresenius. Umstritten war der Kauf des US-Herstellers von Cremes und Salben aber schon lange. Nun sagt der Dax-Konzern die Übernahme ab. Gelaufen ist die Sache aber noch nicht.

Bad Homburg (dpa) - Der Medizinkonzern Fresenius steht vor turbulenten Zeiten. Zwar hat das Dax-Unternehmen die milliardenschwere Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn am Wochenende abgesagt, doch nun könnte die Vertragskündigung ein juristisches Nachspiel haben.

Die Amerikaner pochen auf Einhaltung des abgeschlossenen Kaufvertrags, das Bad Homburger Unternehmen bleibt bei der Kündigung. "Wir haben Akorns Mitteilung zur Kenntnis genommen. Das ändert nichts an den Tatsachen, unsere Entscheidung ist richtig und begründet", sagte ein Fresenius-Sprecher.

Zuvor hatte der Medizinkonzern mitgeteilt, die umstrittene, 4,4 Milliarden Euro schwere Übernahme von Akorn platzen zu lassen. Man kündige den Vertrag, da der Hersteller von Nachahmermedikamenten mehrere Voraussetzungen für den Vollzug nicht erfüllt habe.

Unter anderem habe es schwerwiegende Verstöße gegen Vorschriften der US-Gesundheitsbehörde FDA bezüglich der Datenintegrität bei Akorn gegeben. Das habe eine von Fresenius eingeleitete, unabhängige Untersuchung zu Tage gefördert, hieß es in der Mitteilung. Akorn hingegen sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und pocht auf die Einhaltung der von Fresenius gemachten Zusagen.

Die laufenden Ermittlungen seien keine Behinderung für die Übernahme und hätten keinerlei Fakten zutage gefördert, die sich negativ auf Akorns Geschäft auswirkten, teilten die Amerikaner am späten Sonntagabend in Lake Forest mit. Es fehle die Voraussetzung für einen Abbruch des Geschäfts. Akorn werde seine Rechte und Fresenius' Pflichten, wie sie aus der bindenden Übernahmevereinbarung hervorgingen, mit aller Energie durchsetzen, hieß es weiter.

Fresenius-Chef Stephan Sturm hatte die zweitgrößte Übernahme der Firmengeschichte nach dem Zukauf der spanischen Krankenhauskette Quironsalud schon im Februar in Frage gestellt. Damals hatte Fresenius nach anonymen Hinweisen von "angeblichen Verstößen" Akorns gegen US-Vorschriften bei der Produktentwicklung gesprochen. Der hessische Konzern hatte daraufhin die Vorwürfe untersuchen lassen.

Auf welche konkreten Verstöße die Ermittler stießen, ließ Fresenius nun offen. Dies geschehe auf Wunsch von Akorn, da die Amerikaner auf Einhaltung der gemachten Vertraulichkeitszusagen bestünden, sagte ein Sprecher. Ohnehin scheinen die Fronten zwischen beiden Firmen verhärtet: Das Angebot, mehr Zeit zu bekommen, um selbst weiter zu prüfen und Fresenius zusätzliche Informationen zur Verfügung zu stellen, hätten die Amerikaner abgelehnt, teilte Fresenius mit.

Mit der Akorn-Übernahme wollte Fresenius seine Flüssigmedizintochter Kabi in den USA stärken. Der Abschluss des Geschäfts war schon für Jahresbeginn geplant, doch die kartellrechtliche Prüfung zog sich hin. An der Börse war der Deal umstritten, da Akorn unter dem Preisdruck auf dem US-Markt für Nachahmermedikamente leidet. Daher wuchs die Sorge, Fresenius könne sich nach einigen gelungenen Übernahmen verhoben haben. Die Börse reagierte daher erleichtert auf die Absage an Akorn: Fresenius-Aktien stiegen am Montagvormittag.

Zumindest einen finanziellen Nachteil aus dem geplatzten Zukauf müsse der Dax-Konzern nicht fürchten, betonte der Sprecher. Im Übernahmevertrag hatte Fresenius keine Auflösungsgebühr im Falle eines Scheiterns vereinbart.

Zugleich verkündete Fresenius Medical Care (FMC) am Wochenende einen milliardenschweren Verkauf. Die Dialysetochter veräußert ihre Mehrheitsbeteiligung am US-Ärztenetzwerk Sound Inpatient Physicians für 1,76 Milliarden Euro an eine Investorengruppe. Dies bringe einen Buchgewinn von 800 Millionen Euro vor Steuern. Mit dem Verkaufserlös will FMC das Geschäft mit Blutwäsche ausbauen, etwa über denkbare Übernahmen in Asien und den Ausbau des Versorgungsmanagements in den USA, sagte ein Sprecher.

Mitteilung Fresenius

Mitteilung Akorn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutsche Bank mit unerwartet hohem Gewinn
Nach einer Verlustserie und einem eiligen Chefwechsel überrascht die Deutsche Bank mit guten Nachrichten. Der Gewinn im zweiten Quartal fällt deutlich höher aus als …
Deutsche Bank mit unerwartet hohem Gewinn
Dax setzt Erholung mit moderaten Gewinnen fort
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat den Handel am Montag mit moderaten Gewinnen beendet. Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA sorgten ebenso wenig für Impulse wie …
Dax setzt Erholung mit moderaten Gewinnen fort
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Lotsen kritisieren Airlines und Flugsicherung
Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Fluglotsen wollen nicht für die zahlreichen Verspätungen und Flugausfälle in diesem Sommer verantwortlich gemacht werden.
Lotsen kritisieren Airlines und Flugsicherung

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.