Freude der Infineon-Aktionäre hält nicht an

- München - Rechtzeitig zur Hauptversammlung veröffentlichte der Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon eine gute Nachricht: "Die schlimmste Krise, die der Halbleitermarkt jemals erlebt hat, scheint vorüber", sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher. Das Unternehmen erwartet heuer "für alle Segmente ein stabiles Wachstum". Das hob die Laune der Anleger. Die Infineon-Aktie gehörte mit einem Plus von zwischenzeitlich über 4 Prozent auf 12,06 Euro zu den großen Gewinnern im Dax. Nachhaltig dürfte das Stimmungshoch aber nicht sein. Für die heutige Hauptversammlung in der Olympiahalle haben Anleger Kritik angekündigt.

<P>34 Millionen Euro Konzernüberschuss blieben nach dem ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, wie Infineon mitteilte. Das entspricht zwar einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Minus von 40 Millionen Euro ein Jahr zuvor, aber einem Rückgang gegenüber dem letzten Quartal mit einem Überschuss von 49 Millionen Euro. Die kurzfristige Perspektive ist im Geschäft mit Speicherchips von besonderer Bedeutung. Die extremen Preisschwankungen auf diesem Markt verzerren längerfristige Vergleiche, wie etwa die Umsatzzahlen zeigen. Die Erlöse sackten gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro ab. Dies sei aber "im wesentlichen auf einen Rückgang der Preise und die negativen Einflüsse des schwächeren Dollars zurückzuführen", erklärte das Unternehmen. Die Zahlen seien generell "wie erwartet", urteilte Guenther Hollfelder, Analyst der HypoVereinsbank. Positiv beurteilte er gute Nachrichten im Kommunikationsbereich, etwa höhere Gewinne bei Halbleitern für Mobiltelefone, sowie die bessere Auslastung der Chipwerke.</P><P>Viele Aktionäre werden sich auf der heutigen Hauptversammlung gegen die Neugestaltung des Aktienoptionsprogramms bei Infineon wenden. Eine Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach von Selbstbedienungsmentalität der Manager. Ebenso wie die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre will die Organisation Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Auch die Fondsgesellschaft Union Investment - im Besitz von 4,6 Millionen Aktien - kritisiert das Programm. Die Zielvorgaben darin seien niedrig. Infineon belohne damit auch schlechte Leistungen des Managements.</P><P>Zudem kündigten Vertreter von Infineon-Belegschaftsaktionären an, den Vorstand nicht zu entlasten. Äußerungen - etwa in Bezug auf eine Verlagerung des Firmensitzes - hätten dem Ansehen des Unternehmens in der Öffentlichkeit und in der Belegschaft geschadet.</P>

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