Fronten vor Metalltarifrunde verhärtet

- Frankfurt/Stuttgart - Bereits vor Beginn der Metalltarifrunde verhärten sich die Fronten. Nach der teils harschen Kritik an ihren Lohnforderungen drohte die IG Metall im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg bereits für Anfang März mit Warnstreiks. "Bewegen sich die Arbeitgeber nicht, werden wir am Aschermittwoch (1.3.) mit sichtbaren Aktionen beginnen", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die Gewerkschaft hatte am Freitag eine Lohnforderung von fünf Prozent für zwölf Monate für die 3,4 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie beschlossen. In BadenWürttemberg endet die Friedenspflicht vier Wochen früher als in anderen Bezirken, weil die Arbeitgeber dort den Lohnrahmentarifvertrag gekündigt haben.

Am Wochenende war die Lohnforderung der Gewerkschaft erneut kritisiert worden. Industriepräsident Jürgen Thumann sagte der "Berliner Zeitung" (Samstag): "Das verstehe ich als Aufforderung an die Unternehmen, Deutschland schnell und umfänglich zu verlassen." Notwendig sei mehr Spielraum für die Unternehmen bei der Lohnfindung. "Die Tarifverträge sollten eine Bandbreite vorgeben, innerhalb der sich die Lohnabschlüsse der Betriebe bewegen können", forderte Thumann.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup nannte die Lohnforderung "problematisch". Die Kalkulation der Arbeitnehmervertreter Produktivitätszuwachs plus Inflation gleich Lohnforderung - lasse außer Acht, dass die gestiegenen Rostoffpreise nicht den deutschen Unternehmen, sondern dem Ausland zugute kämen, sagte Rürup dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnte vor einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide sagte der "Berliner Zeitung": "Hohe Lohnabschlüsse werden den Beschäftigungsabbau in Deutschland verschärfen, weil Arbeit noch teurer wird und sich Investitionen im Inland immer weniger lohnen." Nach Einschätzung von Scheide wäre gesamtwirtschaftlich über alle Branchen gesehen eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,5 Prozent vertretbar

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