Früh die Vorteile von Kunststoffen erkannt

Geiger Technik in Garmisch: - Garmisch-Partenkirchen - Fast die Hälfte aller in Europa produzierten Pkw sind mit Bremsflüssigkeitsbehältern von Geiger Technik ausgestattet. Die Firma mit vier Standorten in Garmisch-Partenkirchen, Murnau, dem thüringischen Tambach-Dietharz und Sosnowiec in Polen stellt ausschließlich Produkte aus Kunststoff her, 99 Prozent der Kunden sind Automobilhersteller.

"Wir fertigen Artikel zur Speicherung und Führung von Flüssigkeiten und Gasen für Pkw", erklärt Albert Michael Geiger, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH.

Kunden sind Firmen wie BMW, Audi, Daimler Chrysler, Ford oder Porsche. Beispielsweise stellt Geiger Technik zwei Millionen Kühlmittelleitungen im Jahr her. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Behälter. Seien es Behältnisse für Kühlmittel, Bremsflüssigkeit, Wasser oder Öl - Geiger Technik produziert alles. "Je nach Produktanforderungsprofil verwenden wir die dazu speziell optimierten Werkstoffe und Herstellungstechniken."

Angefangen hat alles 1960. Albert Geiger, der Großvater des heutigen Firmenchefs, gründete in Garmisch-Partenkirchen Geiger Plastic zur Verarbeitung von Kunststoffen im Spritzguss- und Extrusionsblasverfahren. Er war Lieferant für die Automobil-, Haushaltsgeräte- und Pharmaindustrie - außerdem im Freizeitbereich tätig.

"Er hat sehr früh die Vorteile von Kunststoff gegenüber Metall erkannt", erklärt Albert Michael Geiger. Dessen geringes Gewicht, die vielseitigen Materialeigenschaften und nicht zuletzt seine Durchsichtigkeit sprachen für diesen Werkstoff. "Er war ein richtiger Erfinder und sehr sozial eingestellt", sagt Geiger über seinen Großvater. Das strenge Regiment führte bei Geiger Plastic wohl eher die Großmutter. Geiger erinnert sich schmunzelnd: "Wenn sich jemand krank gemeldet hatte, hat sie es sich zum Volkssport gemacht, mit dem Rad zu ihm nach Hause zu fahren und zu kontrollieren, ob der Mitarbeiter auch wirklich im Bett lag."

Auch der Gründersohn Albert Geiger, der heute noch in beratender Funktion tätig ist, war ein richtiger Tüftler. Wie ist das bei der dritten Generation? "Ich habe nach sechs Wochen Kunststoff-Technik-Studium gemerkt, dass das nicht das richtige für mich ist und auf BWL umgesattelt." Danach arbeitete er sehr erfolgreich sieben Jahre an der Deutschen Börse in Frankfurt, zudem schrieb er in acht Monaten seine Doktorarbeit. Irgendwann aber wollte sein Vater wissen, wie es mit der Nachfolge aussieht.

"Ich habe mich nicht drängen lassen. Ich war fest angestellt und hatte ein halbes Jahr Kündigungsfrist." Dennoch hat er sich für das Familienunternehmen entschieden. "Eine Rolle hat dabei natürlich die Verantwortung gegenüber der Familie gespielt." 2003 kam der 38-Jährige als einer von fünf Geschäftsführern zurück in die Heimat, Alleingeschäftsführer wurde er Ende 2005. "Mir war wichtig, den Mitarbeitern gegenüber Einigkeit zu signalisieren." Deshalb hat er auch nicht das Büro seines Vaters übernommen, sondern seinen Schreibtisch einfach zu dem des Vaters gestellt.

Gerade hat Geiger die Produktgruppen und Fertigungstechnologien der beiden Standorte Murnau und Tambach-Dietharz in Kompetenzzentren gebündelt. Am Staffelsee konzentriert man sich auf den Spritzguss einschließlich dazugehöriger Sonderverfahren, in Thüringen wird mit Blasformtechnik produziert. Was mit 40 Mitarbeitern und der Vision eines Erfinders anfing, ist heute zu einer Firmengruppe mit über 900 Angestellten geworden. Und Geiger will mehr: Er denkt global und treibt die Internationalisierung des Unternehmens voran - sein Fokus liegt dabei auf Amerika.

Auch den momentan noch wenig belieferten Markt außerhalb der Automobilbranche will der ehrgeizige Geschäftsführer für sich erobern. Das passende Produkt ist schon fertig entwickelt. Der "Zipflracer" aus dem Hause Geiger Technik ist ein Bob für Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren. Hergestellt wird der wendige Rennschlitten in Eisblau und Orange - ab Herbst ist er im Handel erhältlich.

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