"Früher musste für eine Lehre noch gezahlt werden"

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Herr Dörfler, Wirtschaftsminister Glos hat eine Forderung des Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) aufgegriffen und angeregt, die Azubilöhne zu kürzen. Freut Sie das?

Reinhard Dörfler: Ja. Die Ausbildungsvergütung ist für die Betriebe ein wichtiger Kostenfaktor. Für viele ist es mittlerweile grenzwertig, einen Lehrling einzustellen. Zumal die Ausbildungslöhne zuletzt stärker stiegen als die Tariflöhne.

Laut Arbeitsagenturen suchen noch 590 000 junge Menschen eine Stelle für das neue Lehrjahr. Wenn die Azubi-Löhne sinken: Endet dann die Ausbildungmisere?

Reinhard Dörfler: Die zu hohen Löhne sind nicht die einzige Schwierigkeit für Unternehmen auf dem Lehrstellenmarkt. Auch die immer schlechtere Qualifikation und zunehmend soziale Defizite der Schulabgänger bei steigenden Anforderungen bereiten Probleme. Aber wir sind überzeugt, dass die Firmen mehr Azubis einstellen, wenn die Gehälter sinken.

Lehrlinge verdienen je nach Berufszweig 400 bis 900 Euro monatlich. Wie viel wollen Sie streichen?

Reinhard Dörfler: DIHK-Präsident Georg Ludwig Braun hat vorgeschlagen, dass sich drei Azubis zwei Gehälter teilen. Das ist vertretbar.

Lehrlinge bekämen ein Drittel weniger. Wer soll dann für ihren Lebensunterhalt aufkommen?

Reinhard Dörfler: Da sehe ich kein großes Problem. Die Mehrzahl der jungen Leute wohnt daheim und bezahlt keine Miete. Das Geld steht ihnen zur freien Verfügung.

Bei einem Versicherungskaufmann, der gut 800 Euro verdient, mag das stimmen. Aber was ist mit einem Bäcker-Azubi, der auf 450 Euro kommt?

Reinhard Dörfler: Je weiter man nach unten geht, umso schwieriger wird es natürlich. Die Forderung von Braun bezieht sich aber vor allem auf die besser bezahlten Lehrberufe in Industrie und Handel.

Fürchten Sie nicht, dass die Motivation der Lehrlinge flöten geht, wenn die Vergütung sinkt?

Reinhard Dörfler: Es gibt heute kaum etwas Wichtigeres als eine solide Ausbildung. Wer die nicht hat, steht später mal nicht auf der Sonnenseite. Das muss Motivation genug sein. Früher musste für die meisten Lehren sogar noch Geld gezahlt werden.

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