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Fünf Wege in die Frührente – so schaffen Sie den Absprung vor 63

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Von: Wolfgang DePonte

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Auf Geldscheinen steht ein Stempel mit dem Schriftzug Frührente.
Wer früher in Rente möchte, sollte einige wichtige Faktoren beachten. © Sascha Steinach/Imago Images

Wie kann man als Erwerbstätiger schon vor dem 63. Lebensjahr raus aus dem Job? Fünf Wege, die auch für Sie in die Frührente führen können.

München - Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen will vor dem 63. Lebensjahr raus aus dem Job – um das Leben zu genießen oder um sich noch einmal in einem ganz anderen Bereich neu auszuprobieren. Die Experten von „Finanztest“ (Heft 7/2022) zeigen fünf Wege auf, wie sich die Frührente realisieren lässt.

Laut der Civey-Umfrage sind es vor allem die Jüngeren, die früher in Rente gehen wollen, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 60 Prozent. Sie streben sogar an, schon mit 61 in Ruhestand zu gehen. Aber ob sich das umsetzen lässt? Laut „Finanztest“ ist fast alles denkbar, wenn man sich klarmacht, dass man dann nicht nur mit einer niedrigeren Rente klarkommen muss, sondern auch noch ein Geldpolster benötigt, um die Zeit bis zum regulären Renteneintritt zu überbrücken. Aber der Reihe nach.

Fünf Beispiel in die Frührente: In Rente mit 63

Der früheste Zeitpunkt, zu dem viele eine Altersrente beziehen können, ist ihr 63. Geburtstag. Das ist deutlich vor dem regulären Rentenbeginn, der ab Jahrgang 1964 bei 67 Jahren liegt.

Die Hürde, die man dafür überwinden muss, ist für die meisten Beschäftigten zu schaffen: Man muss auf 35 Beitragsjahre kommen. Der Haken an der Sache: Viele können sich die mit dem früheren Renteneintritt verbundenen Abzüge einfach nicht leisten: Denn für jeden Monat, den man vor der regulären Rente geht, werden 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Die Beispiele (siehe unten) zeigen, dass damit die Bezüge in der Regel über 20 Prozent niedriger ausfallen als die Regelaltersrente.

Beispiele: Facharbeiterin Maria S. (58) und Ingenieurin Corinna H. (58)

Maria S. (geb. 1. Januar 1964) hat nach ihrer Schul und Berufsausbildung (bis August 1989) immer Vollzeit gearbeitet und immer durchschnittlich verdient. Heuer liegt ihr Gehalt damit bei 38 901 Euro. Geht man davon aus, dass sie bis zur Rente weiter durchschnittlich verdient, dann beträgt ihre Regel-Altersrente, wenn sie im Januar 2031 regulär in den Ruhestand geht, brutto laut Finanztest 1786 Euro im Monat. Maria S. stünde auch die Möglichkeit offen, nach 45 Jahren ohne Abschläge in Rente zu gehen, das wäre ab Januar 2029 möglich. Ihre Monatsrente läge dann brutto bei 1714 Euro. Bei der Frührente mit Abschlägen (nach 35 Versicherungsjahren) könnte Maria S. zwar schon ab 1. Januar 2027 ihren Ruhestand genießen, aber ihre Brutto-Rente läge dann nur noch bei 1405 Euro im Monat.

Corinna H. (geb. 1.1. 1964) hat nach dem Abitur im Juni 1983 ihr Maschinenbaustudium begonnen und im September 1988 ihren Abschluss gemacht. Seit Januar 1989 hat sie dann durchgehend in Vollzeit gearbeitet und das 1,5-Fache des Durchschnittsgehaltes verdient. Heuer beträgt ihr Gehalt 58 352 Euro. Geht man davon aus, dass sie bis zur Rente weiterhin das 1,5-Fache des Durchschnitts verdient, dann beträgt ihre Brutto-Rente beim regulären Renteneintritt am 1. Januar 2023 laut finanztest 2269 Euro. Die Möglichkeit der Frührente ohne Abschläge bleibt ihr verwehrt, da sie keine 45 Versicherungsjahre vorweisen kann. Entscheidet sie sich für eine Frührente mit Abschlägen, dann kann sie ab 1. Januar 2027 ihren Ruhestand genießen – muss aber mit 1757 Euro Brutto-Rente im Monat satte Abstriche hinnehmen.

Fünf Beispiel in die Frührente: Ab 65 ohne Abschlag

Besser sei es deshalb, so die „Finanztest“-Experten, ohne Abschläge früher in Rente zu gehen. Das können aber nur Versicherte, die auf mindestens 45 Versicherungsjahre kommen. Dabei ist allerdings zu beachten: Mit 63 geht dies noch nicht, sondern frühestens zwei Jahre vor dem regulären Rentenbeginn. Für den Jahrgang 1958 wäre dies beispielsweise mit 64, für den Jahrgang 1960 mit 64 und vier Monaten und für den Jahrgänge 1964 und folgende mit 65 Jahren. Wichtig auch: Trotz der Abschlagsfreiheit ist die „Rente für besonders langjährige Versicherte“, wie sie offiziell heißt, niedriger als die Regelaltersrente (im oben genannten Beispiel von Facharbeiterin Maria S. wären es 72 Euro weniger). Der Grund: die Ansprüche werden zwar abschlagsfrei ausbezahlt, sie sind aber geringer, weil ja zwei Einzahlungsjahre fehlen und das kompensiert die Rentenkasse nicht.

Trotzdem sagen die Experten: länger arbeiten lohnt nicht. Denn die zusätzlichen Rentenpunkte können die zwei Jahre früher ausbezahlte Rente kaum kompensieren. Die Facharbeiterin aus dem Beispiel müsste laut der aktuellen Rentenwerte 114 Jahre alt werden, bis die höhere Rente die zwei Jahre Rentenbezug (41136 Euro) ausgeglichen hätte.

Die 45 Jahre Versicherungszeit bringen übrigens mehr Menschen zusammen, als man denkt. Im Jahr 2021 nutzten laut der Deutschen Rentenversicherung 31 Prozent der Neurentner diese Form der Frührente. Wer studiert hat, hat allerdings kaum Chancen, diese Möglichkeit zu nutzen, denn Schul- und Studienzeiten werden bei der abschlagfreien Frührente nicht angerechnet. Bei der Frührente mit Abschlägen (Voraussetzung 35 Versicherungsjahre) hingegen schon.

Fünf Beispiel in die Frührente: Wenn die Firma hilft

Für alle, die schon vor 63 in Rente gehen wollen – beispielsweise mit 60 – bieten sich laut Finanztest drei Möglichkeiten an: die Altersteilzeit, der Vorruhestand oder der Aufbau eines Wertguthabens. Alle drei Modelle lassen sich nicht nur mit der Frührente kombinieren, Beschäftigte können sie auch abgestimmt auf den regulären Renteneintritt abschließen oder einen Zeitpunkt irgendwo dazwischen. Der Haken an allen drei Modellen: Ohne Arbeitgeber läuft nichts. Wer interessiert ist, sollte deshalb zuerst abklären, ob die eigene Firma eine dieser Möglichkeiten anbieten.

Fünf Beispiel in die Frührente: Altersteilzeit

Altersteilzeit ist häufig in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen geregelt. Der große Vorteil hier gegenüber einer „normalen“ Teilzeitvereinbarung: 50 Prozent weniger Arbeit heißt hier nicht 50 Prozent weniger Gehalt. In der Altersteilzeit muss der Arbeitgeber den Lohn um mindestens 20 Prozent aufstocken. Einige Tarifverträge sehen sogar noch höhere Zuschüsse vor.

Trotzdem raten die Experten, das Modell gut durchzurechnen („Finanztest“ bietet unter test.de/altersteilzeit einen Rechner an), denn während der Altersteilzeitphase verdient man unter dem Strich deutlich weniger als vorher.

Auf die Höhe der späteren Rente hat dies kaum Auswirkungen. Denn der Arbeitgeber muss während der Altersteilzeit 90 Prozent der Rentenbeiträge des Vollzeitgehaltes zahlen, auch wenn man nur noch 50 Prozent arbeitet.

Fünf Beispiel in die Frührente: Vorruhestand

Wenn Unternehmen Jobs abbauen, werden Mitarbeitern in vielen Fällen auch Vorruhestandsregelungen angeboten. Man hört zum Beispiel mit 60 auf und bekommt noch ein reduziertes Gehalt. Das klingt verlockend, sollte aber ebenfalls gut durchgerechnet werden, da auch die Rente anschließend deutlich geringer ausfällt.

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Fünf Beispiel in die Frührente: Wertguthaben

Die dritte Möglichkeit, sich über die Firma einen früheren Ruhestand zu ermöglichen, ist der Aufbau eines Wertguthabens (auch Langzeitkonto oder Lebensarbeitszeitkonto). Das Prinzip: Man arbeitet beispielsweise fünf Jahre Vollzeit, bekommt 80 Prozent des Gehalts und spart 20 Prozent an, um bei gleichen Bezügen ein Jahr früher aus dem Job auszuscheiden. Da sich der Aufbau oft über Jahre hinzieht, sollte man frühzeitig alle Details mit seinem Chef klären. VON WOLFGANG DE PONTE

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