Fünf Jahre EADS: Mission ins Unbekannte wurde zum Erfolg

- München - Als sie 2000 antraten, war die EADS eine Art Weltraum-Mission: Sorgfältig vorbereitet, doch mit ungewissem Ausgang. Rainer Hertrich und Philippe Camus wurden Gründungs-Chefs des neuen europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns. Das Englisch des Franzosen war schwer zu verstehen, das des Münchners hatte deutlich bayerischen Einschlag.

<P>Die Konzernsprache geht beiden längst locker über die Lippen. Die Mission erwies sich als unerwarteter Erfolg: Hat man doch Boeing als Weltmarktführer bei Verkehrsflugzeugen abgelöst und bei den Verteidigungssystemen ist man auf Platz 2 aufgerückt. In der letzten Bilanz, die Camus und Hertrich gestern vorlegten, hat das Ergebnis nach Steuern die Milliardengrenze übersprungen. Davon sollen auch die Aktionäre etwas abkriegen. Die Dividende soll von 40 auf 50 Cent steigen.<BR><BR>Wichtiger sind die Eckdaten für die Zukunft: Das Auftragsbuch ist noch einmal von 179 auf 184 Milliarden Euro angewachsen. Gleichzeitig sitzt man trotz hoher Entwicklungskosten (allein 2004 2,1 Milliarden Euro) auf 4,1 Milliarden Euro liquiden Mitteln. Es sei absehbar, dass die EADS in den nächsten vier Jahren bei den Zivilflugzeugen die Nase vorn haben wird, überschlägt Camus. "Wir haben die Weichen für eine glänzende Zukunft gestellt", sagt Hertrich, der die Doppelspitze als "sehr effiziente Führung" preist. <BR><BR>Die enge Zusammenarbeit von "Philippe" und "Rainer" geht zu Ende. Der ehrgeizige Airbus-Chef Noë¨l Forgeard, der sich als Nachfolger von Camus durchboxte, ließ durchblicken, dass er gern allein das Sagen hätte. Nur gezwungenermaßen muss er mit dem Hertrich-Nachfolger Tom Enders, dem bisherigen Chef des EADS-Rüstungsgeschäfts, erneut ein Duo bilden.<BR><BR>Anstehende Hausaufgaben haben die Vorgänger gemacht. Auch die lange kränkelnde Raumfahrtsparte hat 2004 operativ den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Vor Steuern blieben 10 Millionen Euro (nach einem Minus von 400 Millionen 2003). Sorgen macht der EADS die Flugzeugwartungstochter Sogerma, die trotz des Erfolgs von Eurocopter den Gewinn der Luftfahrtsparte von 217 (2003) auf 206 Millionen Euro drückte. <BR><BR>Bei der Tochter Airbus dürfte es schwer werden, die Rekordserie fortzusetzen. Zwar sollen die Auslieferungen von 320 auf 350 bis 360 steigen. Doch weil darunter mehr kleine Flugzeuge (Typen 318 bis 321) sind, könnte der Gewinn geringer ausfallen. Probleme mit dem neuen A380 dementierte Hertrich. Er räumte ein, dass das größte Flugzeug der Welt bei einem anhaltend schwachen Dollar erst bei 300 Auslieferungen die Gewinnzone erreicht. Bisher war von 250 Stück die Rede.<BR><BR>Im Wettlauf mit Konkurrenten plant die EADS den Sprung über den Atlantik. Für das Tankflugzeugprogramm (bei dem die EADS im Rennen um einen Auftrag der US-Streitkräfte ist) soll das industrielle Zentrum in den USA entstehen. So erhoffen sich die Europäer, die in den USA bereits Hubschrauber montieren, einen besseren Zugang zum weltweit größten Markt der Branche.<BR><BR>Gegenüber einem Rivalen zeigen sich die scheidenden EADS-Chefs milde: Der über eine Affäre gestürzte Boeing-Chef Harry Stonecipher habe, so Camus, einen erfolgreichen Job gemacht. Das zunehmend aggressive Auftreten von Boeing auf dem Markt interpretieren die EADS-Chefs ebenfalls mit Nachsicht. Die Marktführerschaft zu verlieren sei, so Hertrich, "kein so großes Vergnügen".</P>

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