Fürs schnelle Geld ins Leihhaus: Das tun Leute aus allen Schichten

- Bankkredite gelten als saubere und keineswegs ehrenrührige Sache. Leihhäuser umgibt dagegen die Aura des sozialen Abstiegs. Wer es nötig hat, hier das Familiensilber zu versetzen, muss dem Abgrund schon sehr nahe sein, so die verbreitete Vorstellung. Berit Schröder-Maas von der Firma Grünes Leihhäuser, dem mit 22 Filialen größten privaten Pfandkreditinstitut Deutschlands, kann dieses Klischee allerdings nicht bestätigen: "Zu uns kommen Menschen aller sozialen Schichten."

<P>Im Gegensatz zu der Zeit nach den beiden Weltkriegen ist es nicht mehr die blanke Not, die den Leihhäusern Kunden zutreibt. "Pfandkredite sind Konsumkredite", sagt Schröder-Maas. Freiberufler werden vorstellig, um einen Einkommensengpass zu überbrücken, der Familienvater versetzt die Hifi-Anlage, um sich einen Vorschuss auf das Urlaubsgeld zu genehmigen. Manche kommen vor einer Reise auch deshalb ins Leihhaus, weil sie ihre Wertgegenstände dort in Sicherheit wissen: Jedes Pfand ist von Gesetz wegen zum doppelten Darlehensbetrag gegen Einbruch versichert.</P><P>"90 Prozent der Pfänder werden wieder eingelöst", sagt Klaus Germann vom Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes. Trotzdem sind Krisenzeiten gute Zeiten für die Pfandleiher: Im ersten Halbjahr 2003 wurde ein sattes Umsatzwachstum von 15 % verzeichnet. "Die Leute bekommen anderswo einfach kein Geld mehr", so Germann.</P><P>Ein Pfandkredit ist eine vergleichsweise unbürokratische Angelegenheit: Der Verpfänder betritt mit einem Pfand das Leihhaus und kommt mit Bargeld wieder heraus. Eine Bonitätsprüfung findet nicht statt, schließlich haftet der Kreditnehmer nicht persönlich, sondern nur mit dem eingelieferten Pfand. Vorgelegt werden muss lediglich ein Ausweis und in seltenen Fällen ein Eigentumsnachweis.</P><P>Allerdings wird nicht jedes beliebige Gut von den Leihhäusern als Pfand akzeptiert. Technische Pfänder bringen wegen ihres hohen Wertverfalls meist weniger, als sich die Eigentümer davon versprechen.</P><P>Eine edle Uhr, die im Laden 20 000 Euro kostet, wird laut Verbandssprecher Germann mit 6000 bis 7000 Euro beliehen, also zu rund einem Drittel des Neupreises. Das beliebteste Pfand ist immer noch Schmuck, weil sich die Leihhäuser dabei an den Materialwert halten können. Ausgezahlt werden nur rund 80 Prozent des geschätzten Marktwertes, schließlich müsste der Pfandleiher im Falle einer Versteigerung auch die entgangenen Zinsen und Gebühren erlösen. </P><P>Schmuck bringt mehr<BR>als der Computer</P><P>Pfandkredite sind zwar eine unkomplizierte, aber auch teure Form des Darlehens - zumindest, wenn man die Kosten aufs Jahr hochrechnet. Pro Monat verlangen die Pfandhäuser einen Zins in Höhe von einem Prozent. Hinzu kommen Gebühren, die die Zinskosten oft deutlich übersteigen. So erlaubt die "Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher" eine gestaffelte Vergütung, die bei einem Euro pro Monat für Darlehen bis 15 Euro beginnt und bei 6,50 Euro für Darlehen bis 300 Euro endet. Im Bereich darüber unterliegt sie der freien Vereinbarung. Für einen Kredit in Höhe von 300 Euro fällt somit eine monatliche Belastung von 9,50 Euro an. Aufs Jahr berechnet wären das 38 %.</P><P>Die meisten Pfandkredite haben aber nur eine Laufzeit von drei Monaten und können bereits vorher zurückgezahlt werden. Wenn der Kunde zum Stichtag nicht erscheint, müssen die Leihhäuser das Pfand nach dem Gesetz noch mindestens einen Monat aufbewahren. Auktionen der Leihhäuser sind beliebte Termine für Schnäppchenjäger. "Versteigert wird schließlich zu jedem Preis", sagt Verbandssprecher Germann.</P>

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