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Georg Funke muss vor Gericht.

Geschönte Firmenberichte

Funke auf Anklagebank: Symbolfigur der Finanzkrise vor Gericht

München - Zockerei, Gier, Maßlosigkeit - angesichts solcher Vorwürfe hat der frühere HRE-Chef Georg Funke die Öffentlichkeit in Deutschland bisher eher gemieden. Aber bald steht ihm ein großer Auftritt bevor.

HRE - diese drei Buchstaben wurden 2008 zu einem Symbol der Finanzkrise in Deutschland, und das Gesicht des Bankchefs Georg Funke ging um die Welt. Doch der Manager fühlte sich zu Unrecht als angeblicher Zocker und Gier-Banker verfolgt, verkaufte seine Villa in München und lebte lieber in Mallorca. Am 20. März um 9.30 Uhr muss Funke nun aber im Landgericht München auf der Anklagebank der Wirtschaftsstrafkammer Platz nehmen. Es könnte ein Spießrutenlaufen für den 60-Jährigen werden.

Die Hypo Real Estate (HRE) hatte gewerbliche Immobilien finanziert und sich das Geld dafür mit Pfandbriefen besorgt - jahrelang kein besonders schlagzeilenträchtiges Geschäft. Das änderte sich 2007 schlagartig. Funke übernahm die Depfa-Bank in Irland - und saß in der Finanzkrise plötzlich mit einem riskanten Schuldenberg da.

Staatsanwalt wirft Funke falsche Darstellung vor

Um ein Fiasko für den Finanzplatz Deutschland zu verhindern, musste der Bund die Pfandbriefbank mit immer größeren Milliardenspritzen stützen. Er entschloss sich - zum Entsetzen der Aktionäre - schließlich zur Notverstaatlichung im Oktober 2009.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Funke vor, die Lage der Bank lange falsch dargestellt und die Bilanz geschönt zu haben. Sein damaliger Finanzchef Markus Fell soll Investoren bei einer Konferenz noch Tage vor der Rettung durch den Staat Sand in die Augen gestreut haben. Marktmanipulation lautet die Anklage gegen ihn, bis zu fünf Jahre Haft sieht das Gesetz im Fall einer Verurteilung dafür vor.

Funke bestreitet die Vorwürfe. Ein von der HRE-Hauptversammlung 2009 beauftragter Gutachter war zu dem Ergebnis gekommen, sein Risikomanagement sei zwar nicht angemessen gewesen. Aber für den Beinahe-Zusammenbruch könnten die damaligen Bankmanager nicht verantwortlich gemacht werden. Die Situation sei eine unmittelbare Folge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers gewesen.

Aktionäre wurden zu spät auf Probleme hingewiesen

Das Oberlandesgericht (OLG) München hatte früheren HRE-Aktionären in einem Musterprozess um Schadenersatz allerdings Recht gegeben: Die HRE habe ihre Lage in der Krise falsch dargestellt und die Aktionäre zu spät auf ihre Probleme hingewiesen. Das letzte Wort wird hierbei der Bundesgerichtshof (BGH) haben, dort liegt der Fall jetzt in letzter Instanz. Aktionärsvertreter erhoffen sich nun Rückenwind vom anstehenden Strafprozess gegen Funke und Fell.

Viele Sympathien hat sich Funke bisher nicht verschaffen können. Aktionäre trauern ihrem verlorenen Geld hinterher. Die deutschen Steuerzahler müssen weiter für die in eine „Bad Bank“ ausgelagerten Risikopapiere der HRE haften, es stehen noch zig Milliarden im Feuer. Dass Funke nach seinem Rauswurf bei der HRE 2008 auf hohe Nachzahlungen von Gehalt und Pensionszahlungen klagte, erzürnte viele Bürger zusätzlich.

Was erwartet den Manager nun?

Jahrelang hat der Manager in Mallorca gelebt und auf der Ferieninsel mit Luxusvillen gehandelt. Fröhlich lächelte er von der Homepage seiner Firmenseite und warb mit seiner Erfahrung im Top-Management der Immobilienbranche. Inzwischen ist Funke in die Umgebung von München zurückgekehrt.

Ob er hier tatsächlich eine mögliche Gefängnisstrafe befürchten muss, ist fraglich. Die Verfahren gegen sechs ehemalige Vorstandskollegen, die die Staatsanwaltschaft ebenfalls angeklagt hatte, sind inzwischen gegen Geldauflagen von bis zu 80 000 Euro eingestellt worden. Das Gericht wies dabei auch darauf hin, dass die Taten bald neun Jahre zurückliegen.

dpa

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