Fusion Commerzbank/Dresdner könnte bis zu 10 000 Stellen kosten

Frankfurt/Main/München - Eine Fusion zwischen der Commerzbank und der Allianz-Tochter Dresdner Bank könnte nach dpa- Informationen bis zu 10 000 Arbeitsplätze kosten. Dies sei in etwa der zu erwartende Rahmen, falls es zu dem Zusammenschluss komme, hieß es am Samstag.

Voraussichtlich werde der Stellenabbau auch die Investmentbank-Sparte Dresdner Kleinwort treffen. Die Verhandlungen zur Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank sollten am Samstag in die entscheidende Phase gehen. Im Commerzbank-Aufsichtsrat sollen nach dpa-Informationen Vorgespräche stattfinden, ehe das gesamte Gremium an diesem Sonntag in Frankfurt zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt.

An diesem Sonntag trifft sich auch das Kontrollgremium der Allianz, das als erstes grünes Licht für die größte Transaktion in der deutschen Finanzindustrie seit der Dresdner-Übernahme durch die Allianz sieben Jahren geben müsste. Am Freitag hatten sich Meldungen verdichtet, dass die Allianz ihre angeschlagene Banktochter mehrheitlich an die Commerzbank verkaufen wird. Der Münchner Versicherungskonzern bestätigte "fortgeschrittene Gespräche zur weiteren Entwicklung der Dresdner Bank". Es sei aber noch offen, "ob diese zu einem Abschluss" führten, hieß es in einer Pflichtmitteilung aus München.

Die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX hatte derweil aus Finanzkreisen erfahren, der Allianz-Vorstand habe sich auf die Grundzüge eines Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank geeinigt. Das berichteten auch mehrere Zeitungen übereinstimmend. Die Dresdner Bank war infolge der Finanzmarktkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach dpa-AFX-Informationen ist eine Übernahme der Bank in zwei Schritten angestrebt. Ein neues Institut aus Commerzbank und Dresdner Bank wäre mit einer Bilanzsumme von knapp 1,1 Billionen Euro deutliche Nummer Zwei in der deutschen Bankenbranche hinter der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von fast 2 Billionen Euro.

Bei "Spiegel Online" war von mehr als 10 000 Jobs die Rede, die im Falle eines Zusammenschlusses der beiden Großbanken auf dem Spiel stünden, die Zeitung "Die Welt" (Samstagausgabe) berichtete von rund 9000 bedrohten Jobs. In den vergangenen Tagen hatten Arbeitnehmervertreter bereits Befürchtungen um den Wegfall von bis zu 12 000 Arbeitsplätzen geäußert und Beschäftigungs- und Standortgarantien gefordert. In dem "Welt"-Bericht hieß es, der geplante Stellenabbau solle schonend erfolgen, beispielsweise durch Altersteilzeitregelungen und natürliche Fluktuation. Damit wäre eine zentrale der Forderung erfüllt, an die die Arbeitnehmervertreter ihre Zustimmung zu dem Zusammenschluss geknüpft hatten, hieß es in dem Bericht.

Auch in dem "Spiegel Online"-Bericht wurde von starken Einschnitten im Investmentbanking der Dresdner ausgegangen. "Sollte die Fusion klappen, wird Dresdner Kleinwort massiv redimensioniert und zurückgestutzt", hieß es unter Berufung auf einen Commerzbank- Manager. Die Sparte hatte die Folgen der Finanzkrise massiv zu spüren bekommen und die gesamte Bank zuletzt tief in die roten Zahlen gedrückt. Wegen der Probleme bei der Dresdner Bank hatte die Allianz auch ihr Gewinnziel kassieren müssen, was den seit vielen Monaten anhaltenden Verkaufsspekulationen neue Nahrung gab.

Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bekräftigte unterdessen das Interesse seines Hauses an der Dresdner Bank. Sowohl die Dresdner als auch die Postbank seien "renommierte, begehrenswerte Banken", sagte Müller in einem am Samstag ausgestrahlten Interview mit dem Radiosender hr-iNFO. Bei der Postbank gehe er jedoch davon aus, dass das Bonner Institut derzeit nicht mehr zu Verkauf stehe.

In den Verhandlungen zur Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank ist nach Müllers Angaben noch keine endgültige Entscheidung gefallen: "Wie Sie wissen, gebieten die Gesetze in Deutschland, dass, sobald man ein Ergebnis erreicht hat, dies mit einer ad-hoc- Mitteilung der Öffentlichkeit auch mitgeteilt wird. Eine solche Mitteilung hat es noch nicht gegeben, deshalb scheint es auch noch kein Ergebnis zu geben."

Müller, der bis Mitte Mai Vorstandsvorsitzender der zweitgrößten deutschen Bank war, betonte, die Commerzbank sei finanziell in der Lage, die Dresdner Bank zu übernehmen: Er sei zuversichtlich, dass "der Vorstand der Commerzbank keine Verhandlungen führt, von denen er im Endeffekt glauben muss, dass er sie nicht finanzieren kann".

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