Fusion von Netto und Plus: Edeka-Chef kündigt Preiskampf an

Frankfurt - Nach der Übernahme von Plus will Edeka mit einer Preisoffensive die Discounter Aldi und Lidl angreifen. Das kündigte Edeka-Chef Alfons Frenk in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" an. "Wir werden dem Discount-Markt ganz gewaltig einheizen. Die Kunden können sich freuen", sagte der Edeka-Chef. Der Konzern werde jedes Jahr 300 neue Discount-Märkte eröffnen, kündigte der Manager zudem an.

Am Freitag war bekannt gegeben worden, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler mit der Tengelmann-Gruppe den nach Aldi und Lidl drittgrößten deutschen Discounter mit einem Umsatz von elf Milliarden Euro schmiedet (wir berichteten). Der Tengelmann-Discounter Plus und die Edeka-Tochter Netto gehen dafür eine Partnerschaft ein. Am Gemeinschaftsunternehmen wird Edeka mit 70 Prozent die Mehrheit halten. Wie viel er Tengelmann für die Plus-Kette bezahlt hat, wollte Frenk nicht sagen. "Natürlich hätten wir gerne ein paar Euro weniger bezahlt, aber es war ein fairer Preis." Der Kauf von Plus sei "die größte Transaktion im Einzelhandel, die je getätigt wurde", betonte Frenk. In diesem Zusammenhang bestätigte der Edeka-Chef erstmals offiziell sein Interesse an einer Übernahme der Metro-Tochter "Extra". Prinzipiell sei Extra interessant, sagte Frenk. Bisher habe er aber noch kein Angebot abgegeben.

Die jetzt erworbenen Plus-Läden müssten ebenso wie Edekas bisherige Discount-Schiene Netto eine Umsatzrendite von 3,5 Prozent abwerfen, erklärte Frenk. "Und das soll nicht als Obergrenze verstanden werden. Wir wollen darüber hinaus. Das mag allerdings ein, zwei Jahre dauern". Ein Personalabbau sei mit der Übernahme nicht verbunden, bekräftigte der Manager: "Insgesamt werden wir zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen".

Edeka ist demnach auch an den Auslandsfilialen des Discounters Plus interessiert. "Selbstverständlich interessiert uns das; selbstverständlich sprechen wir auch darüber mit der Familie Haub", sagte Frenk der Tageszeitung "Die Welt". Trotz des Verkaufs zahlreicher Auslandstöchter in der Vergangenheit "will ich überhaupt nicht ausschließen, dass wir bei attraktiven Gelegenheiten unser Auslandsgeschäft mit einem Discount-Konzept wieder ausbauen", so Frenk. Plus erzielt außerhalb Deutschlands unter anderem in Polen, Tschechien, Ungarn und Portugal einen Jahresumsatz von fast drei Milliarden Euro. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte zuletzt mehrfach vom sehr großen Interesse von Investoren am Auslands-Geschäft von Plus gesprochen, das noch nicht verkauft wurde.

Frenk zeigte sich mit Blick auf mögliche Auflagen des Bundeskartellamtes gelassen: "Das Kartellamt soll in Ruhe prüfen. Der Blick auf die Landkarte zeigt allerdings nur wenige Überschneidungsgebiete zwischen Netto Marken-Discount und Plus."

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