Fusion von T-Online mit Mutterkonzern bleibt Zitterpartie

- Bonn - Noch haben die Aktionärsschützer und Fusionsgegner das Handtuch nicht geworfen: Zwar hat die Telekom mit der geplanten Wiedereingliederung von T-Online vor Gericht einen Etappensieg verbucht, doch Rechtsbeschwerden sind so sicher wie das Amen in der Kirche. "Das liegt in der Logik unseres bisherigen Vorgehens", sagt Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). So wird die Verschmelzung schon bald den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe beschäftigten.

Läuft alles im Sinne des Bonner Riesen, könnte frühestens im April die Verschmelzung ins Handelsregister eingetragen und damit perfekt gemacht werden. Voraussetzung hierzu ist aber, dass der BGH die Rechtsbeschwerden abweist und die Anfechtungsklagen für unbegründet hält. Die Aktionärsschützer rechnen sich trotz Schlappe vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) aber weiter gute Chancen aus: Dass das OLG die Rechtsbeschwerde überhaupt zugelassen hat, hält Aktionärsschützer Labryga für ungewöhnlich.

Auch die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gibt sich nicht geschlagen: "Wir gehen davon aus, dass die Eintragung nicht erfolgen kann, wenn Beschwerde dagegen eingelegt wird", sagt Ulrich Hocker. Der Hauptgeschäftsführer der DSW ist davon überzeugt, dass die Fusion des Internetanbieters auf den Mutterkonzern unsinnig ist. "T-Online braucht keine Verschmelzung mit der Telekom, um erfolgreich zu arbeiten".

Und warum, fragt die DSW, sollte heute falsch sein, was gestern die Telekom selbst als richtig einschätzte. Nämlich: den Börsengang von T-Online im Jahr 2000. Den hatte Ex-Telekom-Chef Ron Sommer zu einer Zeit des Übernahmefiebers in der Branche mit Blick auf Schaffung von Akquisitionswährung betrieben. Dabei wurden die Anleger mit einem Ausgabekurs von 27 Euro ordentlich zur Kasse gebeten. Und hier liegt der Hund begraben. Denn für die Wiedereingliederung bekommt die Telekom nach Ansicht ihrer Kritiker jetzt ein Schnäppchen. Knapp 9 Euro pro Aktie bot sie den freien Aktionären in bar bzw. den Gegenwert in T-Aktien.

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