Fusionsfieber auf dem Energiemarkt: Europas Versorger ringen um Macht

- Paris/Madrid - Der europäische Energiemarkt gerät in Bewegung. Während sich um die Übernahme des größten spanischen Stromkonzerns Endesa ein Bieterkampf zwischen Eon und dem ebenfalls spanischen Gasversorger Gas Natural abzeichnet, steht eine Megafusion in Frankreich bereits fest. Mit dem Zusammenschluss von Gaz de France (GDF) und Suez will die französische Regierung einen weltweit führenden Energieriesen schaffen.

Das von Premierminister Dominique de Villepin vorgestellte Projekt wurde in der Nacht zum Sonntag von den Konzernen gebilligt. Es löste diplomatische Verstimmungen mit Italien aus, weil Paris damit einen Versuch des italienischen Stromkonzerns Enel zur Übernahme und Zerschlagung von Suez vereitelt. Belgiens Finanzminister Didier Reynders unterstützte hingegen die Fusion. Suez ist mit Electrabel Belgiens größter Stromkonzern.

Mit der Fusion ist eine Privatisierung von GDF verbunden, die bisher gesetzlich untersagt ist. Der Staat werde "mindestens die Sperrminorität von 34 Prozent behalten", sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche". Das schütze Frankreichs Interesse und den neuen Konzern vor einer feindlichen Übernahme. Inmitten der weltweiten Fusionswelle könne Frankreich mit dem staatlichen Stromkonzern EDF und GDF/Suez auf zwei der größten Energiekonzerne bauen.

Suez ist der weltweit zweitgrößte Wasserversorger sowie der fünftgrößte Stromkonzern und sechstgrößte Gasanbieter Europas. Der Konzern erzielt mit 160 700 Mitarbeitern 40,7 Milliarden Euro Umsatz. GDF ist der zweitgrößte Gasversorger Europas und kommt mit 38 250 Mitarbeitern auf 18,1 Milliarden Euro Umsatz. Laut dem Gesetz von 2004 zur GDF-Börseneinführung muss der Staat mindestens 70 Prozent an GDF halten.

Verärgert über Villepins Ankündigung sagte der italienische Industrieminister Claudio Scajola ein für heute geplantes Gespräch mit seinem Amtskollegen Franç¸ois Loos über den Energiesektor in Paris ab. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti erklärte, der Versuch, in der EU "Schutzbarrieren aufzubauen, muss gestoppt werden". Römische Zeitungen sprachen von einer "Ohrfeige für Italien". Zuvor hatte allerdings auch Italien versucht, italienische Banken vor Übernahmen durch Finanzkonzerne anderer EU-Staaten zu schützen.

Unterdessen droht dem Düsseldorfer Eon-Konzern bei der geplanten Übernahme von Endesa ein milliardenschwerer Bieterkampf. Der Konkurrent Gas Natural wolle die Offerte der Deutschen überbieten, berichtete eine spanische Nachrichtenagentur unter Berufung auf Finanzkreise. Das Unternehmen werde pro Endesa-Aktie bis zu 28,00 Euro bieten und damit das Eon-Angebot von 27,50 Euro leicht übertreffen. Die Spanier, die zunächst 21,30 Euro geboten hatten, wollen ihr neues Angebot am Dienstag bekannt geben.

Die Endesa-Führung hatte sich zuvor gegen einen Verkauf des Unternehmens ausgesprochen und die Aktionäre zur Ablehnung der Offerten von Eon und Gas Natural aufgerufen. "Ich werde mich selbstverständlich keiner Übernahme anschließen", sagte Endesa-Präsident Manuel Pizarro auf der Hauptversammlung in Madrid. Die Angebote entsprächen nicht dem Wert des Unternehmens.

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