Die Fusionsgeschichten der HVB

- München - Wenn Dieter Rampl in seinem neuen Büro in der Kardinal-Faulhaber-Straße am Schreibtisch sitzt, ist er den ältesten Wurzeln seines Banken-Konzerns ganz nahe. In eben jenem frisch renovierten Prachtbau aus der vorigen Jahrhundertwende, den der Vorstandsvorsitzende der HypoVereinsbank und mehrere Stabsabteilungen jüngst bezogen haben, residierte seit Ende des Ersten Weltkrieges die Bayerische Staatsbank, die zuvor "Königlich Baierische Banco" hieß und davor "Hochfürstlich-Brandenburg-Anspach-Bayreuthische Hofbanco" mit dem Gründungsjahr 1780. Die Staatsbank ging 1971 mit der Bayerischen Vereinsbank zusammen und diese wiederum vor sieben Jahren mit der Bayerischen Hypobank.

<P class=MsoNormal>"Die Geschichte der Bank ist eine Geschichte von Fusionen", sagt die Leiterin des historischen Archivs, Elke Pfnür. Verteilt auf viereinhalb Regalkilometer im zweiten Untergeschoss des mächtigen Hypo-Turms am Arabellapark hütet sie die Schätze der vielen kleinen und großen Banken, die sich im Lauf der Jahrhunderte zu Deutschlands zweitgrößtem Bankenkonzern formiert haben. Darunter das Prunkstück der Archivarin, das Aktiengrundbuch der Hypo-Bank. Die erste Aktie (und noch eine ganze Reihe weiterer), so steht es in feinster Handschrift geschrieben, hat kein Geringerer als König Ludwig I. gezeichnet. Er war es auch, der die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1834 "auf königlichen allerhöchsten Befehl" schlicht mit "Ludwig" unterzeichnet hatte. </P><P class=MsoNormal>Als die Bank das Geld noch selbst drucken durfte</P><P class=MsoNormal>Kontokorrent-Bücher, komplette Reihen handgeschriebener Vorstandsprotokolle, Dokumente aus der Zeit vor der bismarckschen Reichsgründung, als die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank noch das Privileg hatte, Banknoten zu drucken, aber auch Film- und Tondokumente neueren Datums lagern hier. Besonders spannend findet Elke Pfnür die Zeit der Hyperinflation des Jahres 1923. "Die Bankleute kamen nicht mehr nach mit dem Anhängen von Nullen und trotzdem stimmten schon am Abend die Bücher nicht mehr", erklärt sie. Für Privatleute wurde es dann in den 30er-Jahren modern, ein eigenes Konto zu haben. Allerdings blieben diese relativ umsatzarm, weil die Arbeiter und Angestellten ihr Geld noch bar in der Lohntüte nach Hause trugen.</P><P class=MsoNormal>Damit die wertvollen Bestände nicht zu Schaden kommen, ist die Luft ziemlich dünn in den gewaltigen Archivräumen. Aus Brandschutzgründen ist der Sauerstoffanteil so stark reduziert, dass es nicht gelingt, eine Zigarette anzuzünden. Eine Sprinkleranlage braucht es daher nicht, denn die würde die Dokumente fast ebenso sicher zerstören wie ein Brand.</P><P class=MsoNormal>So geschützt werden wohl auch die Unterlagen über die bisher größte und schlagzeilenträchtigste Bankenfusion in Deutschland die Zeit überdauern: Mit der Hypobank und der Vereinsbank taten sich zum 1. September 1998 zwei im Dax notierte Geldhäuser zusammen und anfangs, so ließ man stolz wissen, lief alles präzise wie ein Uhrwerk. Ganz ohne äußeren Druck fanden die beiden Münchner Unternehmen aber nicht zueinander. Die Frankfurter Konkurrenz drohte, in Bayern zuzugreifen. Der damalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, hatte Mitte 1996 überraschend bekanntgegeben, dass man mittlerweile mehr als fünf Prozent der Aktien an der Vereinsbank halte. Das alarmierte nicht nur die Vereinsbanker, sondern auch den Freistaat Bayern sowie die Großaktionärin beider bayerischer Geldhäuser, die mächtige Allianz-Versicherung. Und seitdem wurden im Hintergrund Fäden gesponnen und blühten in der Öffentlichkeit die Gerüchte.</P><P class=MsoNormal>Als die Kunde von der bayerischen Traumehe die Aktienmärkte erreichte, feierten diese mit euphorischen Kurssprüngen. Allein, die Freude über die vielgerühmte "Fusion unter Gleichen" zwischen Hypo und Vereinsbank währte nicht lange. Schon im Oktober 1998 offenbarte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Vereinsbank, Albrecht Schmidt, in einer legendären Pressekonferenz "mit gehöriger Wut im Bauch" Immobilienaltlasten der alten Hypo-Bank von 3,5 Milliarden DM. "Ich habe eine bittere Enttäuschung erlitten", gab er damals zu Protokoll. Es folgte eine nie dagewesene öffentlich ausgetragene Schlammschlacht im feinen Bankgewerbe zwischen Schmidt und Eberhard Martini, dem ehemaligen Vorstandschef der Hypobank, der nach der Fusion in den Aufsichtsrat der neuen Bank wechselte (O-Ton Martini: "Schmidts Charakter ist von Eitelkeit zerfressen, so ein Mann kann keine Bank führen"). </P><P class=MsoNormal>Als dann allerdings ein Sondergutachten über die Immobilienaltlasten der Hypobank zu dem Ergebnis kam, dass Schmidt mit den 3,5 Milliarden DM sogar noch ein bisschen untertrieben hatte, erklärten die vier verbleibenden Vorstände der alten Hypobank geschlossen ihren Rücktritt und auch Martini, der lange im Aufsichtsrat ausgeharrt hatte, gab seinen Posten schließlich auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen zahlreiche Ex-Führungskräfte der Hypo, fast alle Verfahren wurden aber gegen Geldbußen eingestellt, Martini zahlte damals 700 000 DM.</P><P class=MsoNormal>Von Eitelkeiten und Enttäuschung</P><P class=MsoNormal>Die neue Bank wuchs trotz alledem zusammen, begleitet von Hiobsbotschaften über massiven Stellenabbau. Was blieb, waren auch die Probleme mit faulen Krediten im Immobiliengeschäft, die immer wieder hohe Wertberichtigungen erforderten. Im Jahr 2002 schrieb die HypoVereinsbank zum ersten Mal Verluste, das magere Eigenkapital beunruhigte die Rating-Agenturen und der Aktienkurs stürzte ab.</P><P class=MsoNormal>Der Mann, der die Bank neu aufstellen soll, ist Dieter Rampl, der den Posten von Albrecht Schmidt übernahm, als dieser, trotz heftiger Aktionärsproteste, an die Spitze des Aufsichtsrates wechselte. Rampl gliederte das gewerbliche Immobiliengeschäft in die Hypo Real Estate aus, verkaufte Konzernteile und Beteiligungen, brachte Teile der zum Konzern gehörenden lukrativen Bank Austria an die Börse, stellte eine Kapitalerhöhung in Höhe von drei Milliarden Euro auf die Beine und will jetzt in einem - diesmal angeblich allerletzten - Befreiungsschlag noch einmal "sanierungsbedürftige Kredite" im Volumen von 15 Milliarden Euro abspalten.</P><P class=MsoNormal>Und er strickt an einem weiteren Kapitel der Fusionsgeschichte der Bank. Rampl selbst bringt die HypoVereinsbank immer wieder als möglichen Partner vorwiegend für ausländische Konkurrenten ins Spiel. Zuletzt nannte er gegenüber der FAZ die italienische Unicredito und bot gleich an, dass man auch mit der Rolle des Juniorpartners zufrieden sei.</P><P class=MsoNormal>Elke Pfnürs Archiv kann weitere Banken-Historie durchaus aufnehmen: Fünfeinhalb Kilometer Regalreihen sind noch frei.</P>

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