Fusionskarussell der Banken dreht sich ohne die Deutschen

- Frankfurt - International gewinnt das Fusionskarussell in der Finanzlandschaft an Fahrt, doch Deutschlands führende Banken werden nach Ansicht von Experten vorerst nicht mit von der Partie sein. Forderungen der Politik nach raschen Zusammenschlüssen unter den Großbanken hierzulande kontern deren Manager mit Verweisen auf das ihrer Ansicht nach im Weg stehende Drei-Säulen-System der getrennten Welten aus Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

<P>Analysten und Übernahmeexperten erwarten deshalb mittelfristig allenfalls Bewegungen bei den kleinen bis mittelgroßen Instituten, von denen die "großen Drei" - Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Commerzbank - nur am Rande berührt sein dürften. Die letzte große Veränderung hatte es im Sommer 2001 gegeben, als die Allianz die Dresdner Bank für mehr als 25 Milliarden Euro übernommen hatte.</P><P>"Die privaten Banken bekommen es ja nicht hin."<BR>Finanzexperte der SPD</P><P>"In den kommenden vier bis fünf Jahren sehe ich keinen durchgreifenden Reinigungsprozess bei den großen deutschen Banken", sagt ein Experte einer renommierten Unternehmensberatung. Aus Rücksicht auf die derzeit beim Thema Konsolidierung höchst empfindlichen Kunden möchte er lieber nicht namentlich genannt werden. </P><P>Politiker kritisieren die Diskussion über das Drei-Säulen-System als ein Ablenkungsmanöver der Großbanken. "Die sollten erst einmal ihre eigenen Hausaufgaben machen", sagte ein Finanzexperte der Koalition mit Blick auf die schwache Ertragslage der Banken.</P><P>Hinter vorgehaltener Hand plädiert so mancher Finanzpolitiker dafür, den Großbanken über die beiden anderen Säulen Druck zu machen. Ein SPD-Finanzexperte sagte: "Vielleicht bekommen wir die ganz großen Institute am ehesten, wenn die öffentlich-rechtlichen Banken viel offensiver ihre Konsolidierung betreiben. Die privaten Banken kriegen es ja nicht hin."</P><P>Die rund 13 Milliarden Euro schwere Übernahme der britischen Abbey durch die spanische Großbank Banco Santander Central Hispano (SCH) wird nach Einschätzung von Merck-Finck-Analyst Konrad Becker nur kurzfristig für eine Belebung der Fusionsfantasien in Deutschland sorgen. Deutsche Großbanken seien vor allem zu ertragsschwach. "Eine Übernahme könnte damit zu einem sehr kostspieligen Abenteuer für den Investor werden."</P><P>Vor allem HVB und Commerzbank - Nummer zwei und drei der eigenständigen deutschen Banken _ dürften deshalb kaum das Interesse einer zahlungskräftigen ausländischen Großbank wecken. Die Forderung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, einen "nationalen Champion" zu formieren, könnte nach Einschätzung Beckers ausländische Investoren zusätzlich abhalten. Und auch das gegenseitige Werben der beiden im Jahr 2003 defizitären Banken HVB und Commerzbank ist in den vergangenen Monaten wieder abgeflacht.</P><P>Bleibt der Branchenprimus: Eine grenzüberschreitende Fusion der Deutschen Bank mit einem ähnlich großen europäischen Mitbewerber wie etwa der Credit Suisse hätte für die meisten Experten einen "gewissen Charme". Über diese Variante wurde zuletzt des Öfteren spekuliert. Realistisch erscheint sie jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht, da das größte deutsche Institut trotz Fortschritten bei der Profitabilität weiter hinter den europäischen Konkurrenten herhinkt.<BR>"Während zum Beispiel in Großbritannien die drei größten Banken mehr als die Hälfte der Einlagen auf sich vereinen, entfällt nur etwas weniger als ein Fünftel auf die Top 3 in Deutschland", heißt es in einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers.</P>

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