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Fusionspläne: Deutsche Börse und Euronext beschnuppern sich

- Frankfurt - Eine europäische Börsenhochzeit der Superlative rückt näher: Die Deutsche Börse hat konkrete Verhandlungen mit der Vier-Länder-Börse Euronext über einen Zusammenschluss angekündigt. Ziel sei es, einen "weltweiten Marktführer in der Branche" zu schaffen, erklärte das Unternehmen. Euronext hatte sich zuvor positiv über eine mögliche Fusion mit dem deutschen Börsenbetreiber geäußert. Diese Signale aus Paris wurden in Frankfurt nun ausdrücklich begrüßt.

Strittig zwischen beiden Börsenbetreibern ist vor allem der Sitz der Hauptverwaltung, der nach Ansicht der Deutschen Börse Frankfurt sein soll. Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Erste Sondierungsgespräche zwischen dem Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, und Euronext-Chef Jean-Franç¸ois Thé´odore waren im Dezember ohne greifbares Ergebnis geblieben.

Eine Fusion aus Deutscher Börse und Euronext könnte ein Gegengewicht zu einem Zusammenschluss von Londoner Börse (LSE) und der New Yorker Technologiebörse Nasdaq bilden, die sich in den letzten Tagen abgezeichnet hat. Dies ist auch der Hintergrund der intensivierten Partnersuche der Deutschen Börse, die im vergangenen Jahr selbst mit einer Übernahme der LSE scheiterte.

Die Frankfurter könnten mit einem Gegenangebot die Pläne der New Yorker Konkurrenz noch zu durchkreuzen versuchen. "Die Deutsche Börse beabsichtigt nicht, ein Angebot für die London Stock Exchange abzugeben, behält sich aber das Recht vor, diese Position zu überdenken und in dem Fall ein Angebot zu unterbreiten, dass ein Angebot oder ein mögliches Angebot für die London Stock Exchange bekannt gegeben wird", erklärte das Unternehmen.

Die Aktie der Deutschen Börse stieg nach der Ankündigung von Verhandlungen um 1,5 Prozent auf 115,92 Euro, die in Paris notierte Euronext NV kletterte sogar um 3,7 Prozent auf 63,20 Euro. Eine Ehe zwischen Deutscher Börse und Euronext würde wohl auch den Segen der deutschen und der französischen Regierung erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Jacques Chirac hatten bei einem Treffen in Berlin bereits Zustimmung signalisiert.

Die hessische Landesregierung, die für die Börsenaufsicht in Frankfurt zuständig ist, erklärte, Fortbestand und Weiterentwicklung der Frankfurter Wertpapierbörse sowie der Warenbörse Eurex müssten auch nach einer Fusion gewährleistet bleiben. Bei der Ansiedlung der zentralen Leitungsfunktionen eines neuen Börsenkonzerns müsse Frankfurt zudem eine herausragende Rolle spielen. Die Wirksamkeit der deutschen Börsenaufsicht dürfe durch eine Fusion nicht geschmälert werden.

Durch einen Zusammenschluss würde die nach Marktkapitalisierung größte Börse Europas entstehen. Weiterer Mitspieler im internationalen Fusionspoker der Börsen ist die weltweite Nummer eins, die New York Stock Exchange. Im Januar hatte deren Chef John Thain erklärt, er schaue sich nach Einkaufsmöglichkeiten auf Europas Börsenplätzen um. Der aus der Schweiz stammende Francioni hatte seinerseits angedeutet, beim Nichtzustandekommen einer europäischen Lösung sich nach einem Partner in den USA umzusehen.

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