Internationale Fußball-Ereignisse sind für die Sponsoren eine lukrative Bühne (im Bild die Enthüllung des offiziellen Spielballs, den Adidas stellt). Im Falle der EM in der Ukraine drohen aber Imageschäden. foto: dpa

Fußball-EM: Die Sponsoren sind nicht glücklich

München - Bei der Fußball-EM droht Sponsoren wegen des Falls Timoschenko ein Imageschaden. Die Geldgeber meiden einen Konflikt mit der Uefa.

Beschwichtigend erinnert Adidas-Chef Herbert Hainer an die Olympischen Spiele 2008. „Es ist wie in Peking, wir sind wegen des Sports hier und wollen unseren Konsumenten die besten Produkte liefern“, sagt der Bayer. Diesmal hat er die Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine vor Augen, die in einem Monat angepfiffen wird. Aber sein Vergleich hinkt.

Bei Olympia wurde - begleitet vom Motto „Wandel durch Handel“ - vergleichsweise dezent gegen Menschenrechtsverletzungen im Veranstalterland protestiert. In der Ukraine sorgt der Fall der inhaftierten Politikerin Julia Timoschenko und anderer Mitglieder ihrer ehemaligen Regierung für ausgiebige Kritik, die im Gegensatz zu Olympia auch den Sport erreicht hat.

Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm haben die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine öffentlich kritisiert. Die Spieler dürfen ihre Meinung dazu sagen, betonte Löw. Bei den Euro-Ausrüstern und Topsponsoren, zu denen auch der Autozulieferer Contintenal zählt, ist das anders, fürchtet Oliver Kaiser und hat den Europäischen Fußballverband (Uefa) als Grund für das kollektive Schweigen im Sinn. Er selbst ist Chef des Sponsorenverbands Faspo. „Die wollen auf keinen Fall, dass die Uefa sauer wird und halten sich deshalb bedeckt“, sagt der Experte zur Stille bei Adidas & Co. Die Uefa wiederum möchte die Sphären von Sport und Politik auch in der Ukraine getrennt halten, um ungestört Geschäfte mit dem Fußball zu machen.

Allein von ihren zehn Topsponsoren kassiert sie geschätzt je 30 bis 40 Millionen Euro. Wenn diese Geldgeber von der Uefa-Linie abweichen, sei die künftige Zusammenarbeit in Gefahr, erklärt Kaiser. Firmen wie Adidas oder Coca Cola sponsern die Fußball-EM seit Jahrzehnten. Machen sie sich bei der Uefa unbeliebt, könnten Nike oder Pepsi bei Nachfolgeveranstaltungen ihren Platz einnehmen. Die lukrative Bühne EM aber will niemand verlieren.

Adidas zum Beispiel plant davon beflügelt, 2012 neue Rekordverkäufe mit Fußballprodukten im Volumen von über 1,5 Milliarden Euro. Mit der Ukraine würden sich Sponsoren wohl noch anlegen, nicht aber mit der Uefa vermutet Kaiser.

Gleichzeitig droht negativer Imagetransfer und so manche Werbekampagne, wie die von Coca Cola, könne ins Absurde kippen. „Mach dir Freude auf“, lautet der Cola-Slogan, während zugleich das Bild der inhaftierten Timoschenko um die Welt geht. Die Mehrheit der Sponsoren hoffe nur noch, dass es einigermaßen gut geht und die Lage nicht weiter eskaliert, schätzt Kaiser.

Die strikte Trennung von Sport und Politik wackelt auch im Bewusstsein von Sportrechtevermarktern wie Infront. „Ich glaube, dass es Zeit ist, das zu überdenken“, sagt dessen Repräsentant und Fußballidol Günter Netzer. Niemand könne heute mehr den Blick von Menschenrechtsverletzungen abwenden. „Sponsoren können die Gesamtsituation nicht ignorieren, sondern müssen sich den Problemen stellen“, rät auch Kaiser. Nötig seien ein kritischer Dialog mit der Uefa und auch neue Sponsorenverträge. Die müssten um Ausstiegsklauseln für Menschenrechtsverletzungen und Korruption ergänzt werden. Das sei schon mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 ratsam.

Von thomas Magenheim-Hörmann

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