Fußball-Fieber erfasst jetzt auch die Volkswirte

- Frankfurt - Das Fußball-Fieber greift um sich und hat sogar die Volkswirte in Deutschland erfasst. 70 Tage vor Beginn der WM zerbrechen sich Ökonomen den Kopf, um mit Prognosen und Statistiken den Ausgang vorherzusagen. Streng ökonomisch. Das Ergebnis: Die Volkswirte geben Brasilien die größten Chancen auf den Titel. Gastgeber Deutschland hat laut Deka-Bank dagegen nur sechs Prozent Wahrscheinlichkeit auf den Titelgewinn.

Die Ökonomen trauen sich an überraschend präzise Vorhersagen heran: "Brasilien wird Frankreich im Endspiel in Berlin besiegen", schreibt zum Beispiel die niederländische ABN Amro Bank. Grundlage für diese Hochrechnung sind das Abschneiden der Mannschaften in den vergangenen Jahren, die Fifa-Rangliste und statistische Korrelationen. Die Deka-Bank bezieht auch das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt mit ein. Bei ihr landet Tschechien auf dem zweiten Platz, gefolgt von den Niederlanden. Deutschland belegt nur Rang acht.

Die Ergebnisse der Volkswirte sind durchaus kurios. "Bleibt der Ölpreis in diesem Jahr bei 65 US-Dollar, dann dürften die Saudis ihre Gruppenspiele wohl stets zweistellig verlieren", schreibt die Deka-Bank und sagt Gegnern von Saudi-Arabien "ein Schützenfest" voraus. Je teurer das Öl, desto schlechter die Tordifferenz der Saudis. Einen Zusammenhang von Bildung und Ballbehandlung belegen die Ökonomen statistisch mit der Analphabetenrate, Zahl der Schüler und Studenten: Nationen mit niedrigem Bildungsniveau schnitten beim Kicken genauso gut ab wie Länder mit höherem formalem Ausbildungsstand.

Was manchen Fan schockieren dürfte: Laut DekaBank-Statistik dauert ein Spiel keine 90 Minuten, sondern - trotz Nachspielzeit - im Schnitt nur 52,7 Minuten. Nur in dieser Zeit liefen die Fußballmillionäre tatsächlich dem Ball hinterher, der Rest der Zeit gehe mit Abpfiffen nach Foul, Spielerwechseln und taktischen Manövern verloren. Eine These gehöre aber ins Reich der Märchen: Ein verlorenes Endspiel löse im Verliererland keinen Geburtenknick neun Monate später aus. Die Volkswirte haben sich auch schon einen Favoriten ausgesucht: Laut ABN Amro Bank würde die Weltwirtschaft am stärksten von einem italienischen Sieg profitieren. Der Cup würde dem Vertrauen der Konsumenten und Produzenten in Italien besonderen Auftrieb verleihen und Investitionen ankurbeln.

Die Banken stellen ihren Studien den Hinweis voran, dass die Ergebnisse zwar volkswirtschaftlich fundiert, aber durchaus augenzwinkernd zu verstehen seien. "Prognosen sind unser Geschäft. Die Spannweite reicht von der Vorhersage von Wechselkursen bis zu Prognosen über die Mietentwicklung in 1A-Lagen in Frankfurt im Jahr 2016", schreibt die Deka-Bank. Die Vorhersage von "lächerlichen 64 Spielen" sei da "ein Klacks".

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