Fußballverband plant Katastrophen-Anleihe

- München - Angepfiffen wird erst in drei Jahren, doch die Fifa steht schon im Abseits. Der Fußball-Weltverband sucht seit Monaten fieberhaft nach einem Versicherer für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Vergeblich _ bisher will keiner die WM gegen die Gefahr von Anschlägen versichern. Jetzt prüft die Fifa Plan B: eine Katastrophen-Anleihe soll das Risiko auf Anleger abwälzen.

<P>Seit den Anschlägen des 11. September sind die Versicherungs-Preise für Großereignisse explodiert. Weil das Risiko von Attentaten stieg, wurden die Policen oft unbezahlbar. Selbst ohne Abdeckung des Ausfallrisikos durch Terror verlangen Versicherungen rund 3 % der Deckungssumme. Von einem 400 Millionen Euro schweren Katastrophen-Bond erhofft sich die Fifa nun Rettung, berichtet das Magazin "Euroweek".</P><P>Bekannt sind solche Anleihen als Sicherheit gegen Naturkatastrophen. Passiert nichts, kriegt der Anleger sein Geld mit Aufschlag wieder. Kommt es tatsächlich zu einem Unglück, wird die Anleihe nicht zurückgezahlt.</P><P>Schon bei der WM 2002 hatte der Verband heftigen Ärger mit einer Anschlags-Assekuranz. Der Axa-Konzern hatte auf den letzten Drücker diese Verträge gekündigt und auf angeblich 20 Millionen Euro verzichtet. Der US-Milliardär Warren Buffett sprang mit einer seiner Firmen ein und ließ sich das sehr teuer bezahlen.</P><P>Nun zögert der offizielle WM-Versicherer. Mit der im Sport-Markt dominierenden Hamburg-Mannheimer hat die Fifa zwar ein Dutzend Policen abgeschlossen. Das Terror-Risiko ist aber trotz, wie ein Teilnehmer sagt, "endloser Verhandlungen" nicht abgedeckt. "Terror-Deckung über 1,4 Milliarden Franken hinzubekommen, ist derzeit fast unmöglich", sagt Jürgen Görling, Chef der Hamburg-Mannheimer-Sports, offen. Keine Gesellschaft werde über Jahre im Voraus solch ein Risiko übernehmen. "Mit Mühe und Not" sei allenfalls ein Zeitraum von zwölf Monaten zu überblicken: "Versicherungen sind eine Abart der Mathematik. Bei politischen Risiken aber gibt es keine Wahrscheinlichkeiten."</P><P>Görling versichert seit Jahrzehnten die Weltmeisterschaften. Die WM sei bisher immer ein gutes Geschäft gewesen, sagt er. Dass sich mit einer Anleihe viel sparen ließe, glaubt Görling nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kapitalmarkt das deutlich billiger machen würde", sagte er unserer Zeitung.</P><P>Dafür deckt die Hallo-Herr-Kaiser-Truppe fast alle sonstigen Risiken ab. Haftpflicht, Rechtschutz, Reisegepäck, Krankheit im Ausland, Auto-Kasko und Spielertransport, bis hin zum Unfall eines Schiedsrichters, sogar jeder der erwarteten 3,2 Millionen Stadionbesucher ist mit 70 000 Euro pro Ticket versichert. Übertragungsstörungen sind abgedeckt, beim Finale angeblich mit rund einer Million Euro pro Minute.</P><P>Und, nicht zuletzt, der goldene Pokal mit 350 000 Euro. Die Fifa-Manager wissen, warum: Das Vorgänger-Modell wurde vor 30 Jahren in Brasilien gestohlen und tauchte seither nie mehr auf.<BR></P>

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