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"Auch das Auto der Zukunft muss aus Deutschland kommen", forderte Gabriel. Foto: Michael Kappeler

Selbstzünder besser machen

Gabriel und Zetsche gegen Diesel-Aus

Ist der Diesel zukunftsfähig? Zumindest als "Brückentechnologie" und in seinen modernen Varianten erhält der umstrittene Antrieb weiter Unterstützung. Klimaforscher sehen aber noch andere wunde Punkte.

Frankfurt/Stuttgart (dpa) - Moderne Dieselmotoren können der Autoindustrie nach Überzeugung von Vizekanzler Sigmar Gabriel und Daimler-Chef Dieter Zetsche durch den Umbruch in der Branche helfen.

Der frühere Wirtschaftsminister und Ex-SPD-Chef forderte bei einem Fachkongress in Frankfurt: "Wir müssen aufhören, über Probleme der Diesel von gestern zu reden."

Es komme darauf an, dass sich die deutschen Hersteller zu Mobilitätsanbietern wandelten und beim Antrieb gute Brückentechnologien anböten. Zetsche sagte, der Diesel lasse sich verbessern. Wissenschaftler wiesen jedoch darauf hin, welchen Nutzen höhere Steuern auf Dieselkraftstoff haben könnten.

Die Grundlagen des deutschen Wohlstands dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden, mahnte Gabriel mit Blick auf die wichtige Rolle der Dieseltechnik in der Branche. "Auch das Auto der Zukunft muss aus Deutschland kommen." Der Außenminister verwies auf das Potenzial von synthetisch hergestellten Kraftstoffen und Erdgas. Beim weiteren Ausbau der E-Mobilität seien "massive Investitionen" in die Netze notwendig. Bislang sei der Ausbau "mehr als mangelhaft".

Im Gegensatz zum Kongress-Mitveranstalter IG Metall sprach er sich gegen die Einführung einer "blauen Plakette" für besonders saubere Autos aus. Das berge erhebliche Risiken und würde die Verunsicherung der Kunden weiter steigern. Fahrverbote in den Städten müssten anders verhindert werden, weil sie sozial Schwache benachteiligten, die sich ein Leben in den Stadtzentren und neue Autos nicht leisten könnten.

Zetsche verteidigte beim Jahreskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Stuttgart das Festhalten am Diesel gegen die Kritik von Umweltverbänden und Grünen: "Wir brauchen den Diesel zur Erreichung unserer CO2-Ziele im Straßenverkehr - und zwar als Gesellschaft." Zugleich räumte er ein, dass Vertrauen verloren gegangen sei. Dauerhaftes Ziel sei die emissionsfreie Mobilität.

Der Begründung niedrigerer CO2-Werte widersprach zuletzt eine Studie der europäischen Umweltschutzorganisation Transport & Environment. Demnach produzieren Diesel - wenn man ihre gesamte Betriebsdauer betrachtet - mehr des klimaschädlichen Gases als Benziner. Dies liege an höheren Fahrleistungen wegen des günstigeren Kraftstoffs, der energieintensiveren Produktion des Dieselkraftstoffs, der aufwendigeren Produktion der Motoren sowie höheren Emissionen des beigemischten Biodiesels. In der Debatte um Gesundheitsrisiken steht der Antrieb zudem wegen des Stickoxids (NOx) in der Kritik.

Klimaforscher argumentieren unabhängig davon: Würden die bisherigen Steuervorteile für Diesel-Sprit in der EU wegfallen, ergäben sich neue Mittel für den Umweltschutz. In Deutschland würde Diesel an der Zapfsäule dann um etwa 20 Cent pro Liter teurer, der Ausstoß von CO2 und NOx könnte jedoch binnen fünf Jahren um rund 10 Prozent sinken. Das ermittelte eine Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin. Auch das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeitete daran mit.

Bei einem Preisanstieg von 20 Cent pro Liter würden Dieselfahrer etwa 14 Prozent weniger tanken, schätzen die Wissenschaftler. Um Fahrverbote zu vermeiden, sollte die Politik auf ein Ende der Diesel-Steuervorteile zurückgreifen, sagte Ottmar Edenhofer, Chefökonom des PIK und Direktor des MCC. In Deutschland könnten so rund 4 Milliarden Euro jährlich in den Haushalt fließen.

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