Galileo: Auch China ist jetzt bei der Satelliten-Navigation dabei

- München - Das System galt bisher als europäische Alternative zum amerikanischen GPS. Galileo sollte genauer sein und nicht vom Militär beherrscht. Doch im Hintergrund hatten die Planer des Satelliten-Navigationssystems einen weltweiten Anspruch. Der ist nun ein Stück näher gerückt. China ist an Bord.

<P>"Am Samstag werde ich den Vertrag mit der chinesischen Seite unterzeichnen", sagte Galileo-Chef Rainer Grohe dem "Handelsblatt". Allerdings wachsen die Bambus-Stauden nicht in den Himmel. Denn die bisherigen Gesellschafter, die EU und die Raumfahrtagentur ESA, müssen mindestens jeweils 40 Prozent an Galileo behalten. Nur 20 Prozent können an weitere Partner abgegeben werden. Weniger als die Hälfte davon haben jetzt die Chinesen für 200 Millionen Euro bekommen. Denn Indien, Israel und weitere Nationen stehen auch um Stücke vom Galileo-Kuchen an.<BR><BR>Die Internationalisierung verhilft zum weltweiten Anspruch, macht die Sache aber teurer: 2008, wie ursprünglich einmal geplant, kann Galileo nun nicht mehr starten, sondern erst 2009. Weil die ausgehandelten Frequenzen aber verfallen, wenn sie nicht genutzt werden, müssen zusätzliche Satelliten als Frequenz-Platzhalter in den Orbit geschossen werden.<BR><BR>Gleichzeitig setzen sich die Galileo-Planer auch einem Risiko aus. Denn durch Lizenzierung der Anwenderchips und entsprechende Gebühren soll Galileo finanziert werden. Mit dem Einstieg hat China Zugriff auf die Galileo-Technologie. Bisher steht das bevölkerungsstärkste Land der Welt im Ruf, mit entsprechenden Lizenzrechten eher sorglos umzugehen.<BR><BR>Dabei könnte ein weit größerer ziviler Markt entstehen als bei GPS, das ausschließlich zur Navigation genutzt werden kann, und selbst dies nur mit Mängeln: Wer es im Auto nutzt, findet sich auf dem Bildschirm oft weit neben der Straße, auf der er in Wirklichkeit gerade fährt. Galileo ist weit genauer als zumindest der zivil nutzbare Teil des US-Systems. <BR><BR>Diese höhere Präzision macht ganz neue Anwendungen möglich. GPS kann weltweit ultragenaue Orts- und Zeitbestimmungssignale liefern: Das erleichtert zum Beispiel die sichere Verschlüsselung geheimer Daten. Weil - anders als bei GPS - die Signale nicht aus militärischen Gründen abgeschaltet werden dürfen, wird eine Revolution bei der Lenkung von Verkehrsströmen eingeleitet. Die Überwachung des Luftraums wird ebenso verbessert wie die des Schienenverkehrs.<BR><BR>Während bislang in bestimmten großen Gleisabschnitten nur ein Zug fahren darf, können künftig mehr Züge auf die Gleise geschickt werden. Die Gefahr von Zusammenstößen wird dadurch nicht größer. Kollisionswarnung (auf der Schiene, der Straße, zu Wasser und in der Luft) gehört schließlich zu den mit am häufigsten genannten Fähigkeiten von Galileo. Der bisher recht unflexible Güterverkehr auf der Schiene könnte einige der bisherigen Vorteile des Warentransports auf der Straße ausgleichen.<BR><BR>Doch die Spediteure schlafen nicht. Auch für sie bietet GPS neue Möglichkeiten. Das Flottenmanagement per Galileo macht es für sie einfacher, auf neue wichtige Aufträge zu reagieren und die Brummi-Ströme - wo es sinnvoll ist - umzuleiten.<BR></P><P> </P>

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