Galileo: Das deutsche Stück vom Kuchen wird ein bisschen größer

- Oberpfaffenhofen - Beim europäischen Satellitennavigationssystem Galileo hat Deutschland Punkte gemacht. Es werden nun doch mehr heimische Unternehmen davon profitieren als bisher erwartet. Doch ob Deutschland am Rückfluss investierter Gelder genauso mit 21 Prozent beteiligt wird wie bei der Finanzierung (der deutsche Anteil summiert sich auf 500 Millionen Euro), steht in den Sternen.

Die Drohung von Verkehrsminister Manfred Stolpe, dem Projekt den Geldhahn zuzudrehen, hat aber wohl gewirkt. "Wir sehen uns am gleichen Ende des Stranges ziehen", lobte Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu den politischen Gegner. Am anderen zog am Freitag niemand. Da haben Wiesheu und Stolpe gemeinsam EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot vom Standort Oberpfaffenhofen als Galileo-Kontrollzentrum überzeugt. "Ich bin optimistisch, dass Oberpfaffenhofen eines der zwei Kontrollzentren wird", sagte der Franzose, betonte aber: "Ich kann nicht vorwegnehmen, was die Verantwortlichen entscheiden."Das zweite Kontrollzentrum wird wohl in Italien entstehen. Damit setzt sich das deutsch-italienische Tauziehen fort, das das Projekt von Anfang an begleitet hat. Denn Italien wollte stets das größte Stück des Kuchens nach Rom ziehen - woran Galileo schon mehrmals beinahe scheiterte.Derzeit geht es um die Konzessionäre des Systems, die dessen Betrieb organisieren - und damit um die Unternehmen, die federführend am Ertrag von Galileo beteiligt sind. Darum haben sich zwei Konsortien beworben. Inavsat um EADS (Deutschland), Alcatel (Frankreich und Immarsat (Großbritannien) und Eurely um Finmeccanica (Italien), Thales (Frankreich) und Hispasat (Spanien). Lange war von einem Vorsprung für Inavsat die Rede. Um so überraschender kam im Juni die Nachricht, beide Bewerber wollten ein gemeinsames Angebot vorlegen.Das lehnte Stolpe damals brüsk ab. Hauptzahler Deutschland wäre neben Italien und Spanien in eine Nebenrolle verdrängt, Frankreich hätte, weil in beiden Konsortien vertreten, den Löwenanteil abbekommen.Dies ist nun abgemildert worden. Im Konsortium sind künftig auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen, die Telekom-Tochter T-Systems und - wohl als Financier - die LfA-Förderbank des Freistaats vertreten."Wir gehen davon aus, dass unsere Erwartungen berücksichtigt werden", sagte Stolpe und sprach von einem "Hauptkontrollzentrum" in Oberpfaffenhofen. Davon allerdings hatte Kommissar Barrot nicht gesprochen. Auch technisch ergibt ein Haupt- und ein "Unterkontrollzentrum" keinen Sinn. Denn beide müssen, wie Experten bestätigen, die gleiche volle Funktionsfähigkeit haben, damit Galileo nicht ausfällt, wenn ein Zentrum bestreikt wird, oder es zu einem Stromausfall kommt.Rund 15 000 der erwarteten 150 000 neuen Arbeitsplätze durch Galileo erwartet Wiesheu für Bayern. Vielleicht sogar noch mehr. "Es werden eher mehr als kalkuliert, weil vieles noch nicht absehbar ist."Unklar bleibt, warum das neue, gemeinsame Angebot eines großen Konsortiums, wie mehrfach angekündigt, um 20 Prozent günstiger werden kann, als jedes der zwei konkurrierenden Angebote. Alle Erfahrungen zeigen, dass Konkurrenz den Preis drückt und eine Monopolsituation verteuernd wirkt. Dazu müssten beide Anbieter, die sich wechselseitig einen Auftrag abjagen wollten, Preise verlangt haben, die um 25 Prozent über der wirtschaftlichen Schmerzgrenze lagen. Auch DLR-Vorstand Achim Bachem, dessen Gesellschaft nun auch beteiligt ist, kennt die Zahlen noch nicht. "Ich bin gespannt, wann wir in die Unterlagen reinschauen können."

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