Galileo: Durchbruch bei Europas Milliardenprojekt nützt Bayern

- Oberpfaffenhofen/Brüssel - Nach monatelangen Verhandlungen hat es beim europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo einen Durchbruch gegeben. Und der kommt insbesondere Bayern zugute. Die Beteiligung deutscher Unternehmen an dem Milliardenprojekt steigt, eines von zwei Kontrollzentren wird in Oberpfaffenhofen (Landkreis Starnberg) entstehen.

Der Countdown für Europas milliardenschweres Satelliten-Projekt Galileo läuft. Wie Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot bestätigten, habe man sich entschieden, weitere Firmen aus Deutschland an Galileo zu beteiligen. Zu den bisher sieben Unternehmensgruppen, die an dem Vorhaben partizipieren, wird nach Angaben Tiefensees das deutsche Konsortium Teleop hinzukommen. Zu Teleop gehören die Telekomtochter T-Systems, der kommerzielle Zweig des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Raumfahrtunternehmen EADS und mit einem kleineren Anteil die Bayerische Förderbank.

Fachleute erwarten, dass der Vertrag für die Aufbauphase von Galileo in knapp einem Jahr unterschrieben werden kann. "Ohne die Einigung wäre das Projekt auseinander gefallen", sagte ein Teilnehmer der Verhandlungen.

Für die Aufbauphase waren den Angaben zufolge bisher 2,1 Milliarden Euro vorgesehen, von denen zwei Drittel von privaten Investoren und ein Drittel aus Steuergeldern kommen sollen. Dieser Betrag wurde auf 2,5 Milliarden Euro angehoben, hieß es am Rande des EU-Verkehrsministerrats. Zusammen mit der Entwicklungsphase soll das System damit 3,6 Milliarden Euro kosten. Im Jahr 2008 soll Galileo betriebsbereit sein und damit eine europäische Alternative zum US-Navigationssystem GPS bieten.

Die Einigung enthalte auch eine Zusicherung, das Galileo-Kontrollzentrum am DLR-Standort Oberpfaffenhofen einzurichten und von dort aus den Regelbetrieb der 30-Satelliten-Konstellation über mindestens 20 Jahre hinweg durchführen zu lassen, teilte das DLR mit.

Ein zweites Zentrum ist im italienischen Fucino nahe Rom geplant. Beide seien gleichberechtigt, sagte Achim Bachem vom DLR-Vorstand. Sie sollten so ausgelegt sein, dass sie sich gegenseitig beispielsweise bei Ausfällen ersetzen könnten. Während in Oberpfaffenhofen die Satelliten kontrolliert werden sollen, werde das italienische Zentrum die Missionskontrolle übernehmen. "In der eigentlichen Betriebsphase sind beide identisch", sagte Bachem.

In Oberpfaffenhofen sollen durch die Errichtung des Zentrums, mit der im kommenden Jahr begonnen werden soll, 100 hochwertige Arbeitsplätze sowie eine große Zahl zusätzlicher Jobs im Umfeld entstehen, beispielsweise im benachbarten Galileo-Anwendungszentrum.

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber zeigte sich erfreut über die Entscheidung: "Für Bayern ist dies ein Riesenerfolg", sagte der Minister. "Das eröffnet uns für die Zukunft große Möglichkeiten. Die in Bayern nun angesiedelten Einrichtungen werden für weitere Unternehmen von Interesse sein."

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